Venini

Die Wurzeln von Venini – der weltbekannten italienischen Glasmanufaktur – lassen sich bis ins Jahr 1921 zurückverfolgen, als Paolo Venini (1895-1959), ein Anwalt aus Mailand mit Vorfahren, die in der Glasherstellung tätig waren, und Giacomo Ceppelin (1887-1968), ein venezianischer Antikhändler, die Glasmanufaktur Cappelin Venini & C. auf der Insel Murano gründeten. Unter der künstlerischen Leitung von Vittorio Zecchin produzierte das Unternehmen von Cappelin und Venini qualitativ hochwertige Kelche, Krüge und Vasen im Renaissance-Stil.

Nachdem sich Cappellin und Venini mit Zecchin zerstritten hatten, spaltete sich die Firma 1925 auf. Veninis Firma trug fortan den Namen Vetri Soffiati Muranesi Venini & C. und wurde unter die künstlerische Leitung des visionären Napoleone Martinuzzi gestellt. Venini wurde schon bald zum Synonym für Kunstglas und Glasbeleuchtung in extravaganten Farben und stand an der Spitze der damaligen innovativen Ästhetik.
 
Von 1927 bis 1932 entwickelte Venini eine ganze Reihe neuer Herstellungsverfahren, dazu gehörten pasta vitrea (Opalglas), vetro incamiciato (Schichtglas) und vetro pulegoso (Ornamentglas), die zu damaligen Zeiten als sehr experimentell galten. Veninis guter Ruf in Bezug auf seine Innovationen wuchs vor allem durch diverse nationale Messen, wie die Biennale Venedig, Monza und die Triennale Mailand. Zur ungefähr gleichen Zeit ging Venini eine Partnerschaft mit Gio Ponti, Pietro Chiesa, Emilio Lancia, Michele Marelli, Tomaso Buzzi, und Carlo Visconti di Modrone ein und gründete Il Labirinto, eine Werbegesellschaft für modernes Design.

1932 beschloss Martinuzzi, sich der Bildhauerei zu widmen. Die Architekten Tomaso Buzzi und Carlo Scarpa übernahmen folglich Veninis künstlerische Leitung. Ihre modernistische Anschauung von Design, die sie mit zu Venini brachten, gab dem Unternehmen eine spannende neue Ausrichtung. Scarpa interessierte sich für die Interaktion von Licht und Glas und speziell dafür, wie letzteres dazu beitragen kann, Licht einzufangen und zu verstärken. Daraus entstanden auch neue Herstellungsweisen wie battuto (geschlagenes Glas), tessuto (Glas mit Linien), granulare (Glas mit kleinen Kügelchen) und murina (gemustertes Glas, aus Stangen gefertigt).

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Venini seine Glasproduktion in moderner Art fort und arbeitete beständig mit den wichtigsten Mid-Century Designer und Architekten zusammen – nicht nur mit Carlo Scarpa und Gio Ponti, sondern auch mit BBPR, Fulvio Bianconi, Roberto Menghi, Tobia Scarpa, Massimo Vignelli und Tapio Wirkkala.

 Als Paolo Venini 1959 verstarb, übernahm sein Schwiegersohn Ludovico Diaz De Santillan das Unternehmen. In den 1970er Jahren leitete Ludovicos Tochter Laura die Firma, bis die Familien Gardnini und Ferruzzi es Mitte der 1980er Jahre übernahmen. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts setzte Venini die Zusammenarbeit mit herausragenden Designtalenten fort, zu denen Gae Aulenti, Mario Bellini, Alessandro Mendini, Timo Sarpaneva und Ettore Sottsass gehörten. 

2001 wurde Venini schließlich von der Gruppe Italian Luxury Industries übernommen. Im 21. Jahrhundert gab das Unternehmen Arbeiten von Designern wie Tadao Ando, Atelier Biagetti, Atelier Oï, Barber Osgerby, den Bouroullec Brüdern, den Campana Brüdern, Gaetano Pesce, Matteo Thun und Studio Job in Auftrag. 

2011 feierte Venini sein 90 jähriges Jubiläum mit einer Wanderausstellung im Glasmuseum von Murano, im Palazzo Grassi und Punta della Dogana in Venedig, im Shanghai Glasmuseum und im Bagatti Museum in Mailand. Die erste Ausstellung, die der Glaskunst von Carlo Scarpa und Venini gewidmet war, war unter Kritikern und Gästen ein populärer Erfolg als sie von 2013 bis 2014 im Le Stanze del Vetro in Venedig und im Metropolitan Museum of Arts in New York stattfand. Veninis Glasarbeiten finden sich zudem in diversen Dauerausstellungen, wie im Louvre, im Victoria & Albert Museum, dem MoMa und weiteren.

 

* alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Venini