Die Rückkehr von Bambole, Soriana und Togo


Die wilden 70er und ihre Sofas

Von Wava Carpenter

Zu meinen wöchentlichen Aufgaben bei Pamono gehört unter anderem die Analyse der vertriebenen Produkte, wodurch ich die Entwicklung neuer Trends auf dem Vintagemarkt oft aus nächster Nähe beobachten kann. Einer der heißesten im letzten Jahr war das Comeback von Sofas aus den 70er Jahren. Dieses Phänomen sollte niemandem vorenthalten bleiben – hier also eine Liste mit Pamonos beliebtesten Sofas aus der Ära, in der die ersten Entdeckungsreisen durchs Weltall stattfanden und der Wunsch nach individueller Erfüllung und Tiefenentspannung eine zentrale Rolle spielte.

 

Das Togo Sofa von Michel Ducaroy für Ligne Roset (1973)

Gesteppt, strukturlos und niedrig gehalten – das legendäre Togo Sofa vom französischen Designer Michel Ducaroy ist ein perfektes Beispiel für die 1970er Jahre, als der Mainstream der Moderne auf die Gegenkultur traf und deren Interesse für alternative Lebensmodelle kurzerhand übernahm. Trotz (oder vielleicht gerade wegen) der gelassenen Entspanntheit, die das es ausstrahlt, wurde das Sofasystem mit seinem organischen und prägnanten Stil zu einem Liebling der internationalen Schickeria. Heute beeindruckt es besonders in üppigen und voluminösen architektonischen Räumen.

Das Togo Sofa in einem Interieur von Handelsmann Khaw Foto © Justin Alexander

 

Das Soriana Sofa von Tobia & Afra Scarpa für Cassina (1969)

Obwohl es bereits in den 1960ern entworfen wurde, wird das Soriana Sofa vom italienischen Ehepaar-Duo Tobia und Afra Scarpa heute mehr mit dem nachfolgenden Jahrzehnt in Verbindung gebracht, weil es sich in den 1970ern besonderer Beliebtheit erfreute. Genau wie das Togo ist auch das Soriana niedrig und samtig-weich – es fordert Sitzende förmlich dazu auf, sich tiefer sinken zu lassen. Sein auffälligstes Merkmal ist aber wohl die minimalistische Struktur aus verchromtem Draht, welche die Plüschkissen in Position hält und dem ansonsten fast amorphen Entwurf eine Dosis Glamour verleiht. In letzter Zeit findet man das Sofa immer häufiger in hochkarätigen, stilsicheren Boho Interieurs. Das Soriana Sofa im Zentrum eines Kelly Wearstler Interieurs Foto © Kelly Wearstler

 

Le Bambole Sofa von Mario Bellini für B&B Italia (1972)

Le Bambole vom italienischen Designguru Mario Bellini sieht aus wie ein überdimensionales Kissen mit Armlehnen und wurde durch eine provokante Werbekampagne berühmt, für die das It-Girl Donna Jordan oben ohne auf ihm posierte. Sein Erfolg war aber mehr als eine Modeerscheinung: Die Sofas und Sitzelemente aus der Le Bambole Reihe sind heute weltweit in den Sammlungen von Museen zu finden. Im 21. Jahrhundert konnte das Sofa eine neue Generation von Anhängern für sich gewinnen – besonders jene, die gewagten Minimalismus und industrielle Interieurs mögen. Le Bambole im Hause des Designers Frederic Hooft Foto © Frederic Hooft

 

Bonusrunde: Das Camaleonda Sofa von Mario Bellini für B&B Italia (1970) und das Maralunga Sofa von Vico Magistretti für Cassina (1973)

Neben den Bambole, Soriana und Togo Sofas sind auch ein paar andere namhafte Modelle aus den 1970ern auf dem Vormarsch: Bellinis Camaleonda und Vico Magistrettis Maralunga strahlen modernes Hippie-Flair aus, ohne dabei ihre unbestreitbare, gehobene Eleganz einzubüßen. Beide sind in ihrem Stil flexibel und sehen in ganz verschiedenen Interieurs fantastisch aus – von anspruchsvollen Büroräumen bis hin zu bewusst zurückhaltenden Großstadtlofts. Camaleonda Sofa von Mario Bellini (1970) und Maralunga Sofa von Vico Magistretti (1973) Foto © Designgut; Photo © Cassina

 

 * Besonderer Dank gilt Handelsmann Khaw, Kelly Wearstler, Frederic Hooft, Designgut und Cassina für die Bilder.

  • Text by

    • Wava Carpenter

      Wava Carpenter

      Seit ihrem Studium in Designgeschichte an der Parsons School of Design hatte Wava schon in vielen Bereichen der Designkultur den Hut auf: sie lehrte Designwissenschaft, kuratierte Ausstellungen, überwachte Auftragsarbeiten, organisierte Vorträge, schrieb Artikel und erledigte alle möglichen Aufgaben bei Design Miami. Wava lässt den Hut aber im Büro – auf der Straße bevorzugt sie ihre Sonnenbrille.
  • Übersetzung von

    • Hanna Komornitzyk

      Hanna Komornitzyk

      In ihrer Freizeit widmet sich Hanna den neusten US-Serien, langen Laufrunden an der Spree und dem kulturellen Leben Berlins. Ihre erste große Liebe war die Kunst, dicht gefolgt von SciFi und Arthouse-Filmen, Indie und Alternative, Bauhaus und Grafikdesign. Neben dem Übersetzen findet sie Entspannung vor allem im Web, wo sie stundenlang imaginäre Wohnräume mit minimalistischer, leicht verträumter Designerware einrichtet. Hanna ist in der westfälischen Provinz aufgewachsen und kam für einen Master in English Studies nach Berlin.

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