Die Icon Kollektion von 1882 testet Grenzen des Materials


Was Keramik kann

„Unsere Absicht war es, mit den innovativsten Designern der Welt zu arbeiten“, so Emily Johnson über die Intention, die hinter der Gründung von 1882 Ltd. stand. Sie ist die fünfte Generation ihrer Familie, die sich der Keramikindustrie in Stoke-on-Trent, England, widmet. Das Unternehmen eröffnete vor fünf Jahren und geht seitdem durch Partnerschaften mit einer Bandbreite moderner Kreative seiner Mission nach. Zu seinen Partnern zählen unter anderen Lindsey Adelman, Fort Standard , Philippe Malouin, Faye Toogood, und Kiki van Eijk. Eine der aktuellsten Projekte von 1882, The Icon Collection, holt die beiden bedeutenden Architekten John Pawson und Snarkitecturemit an Bord, und beinhaltet Designs von Max Lamb.

Als bisher ehrgeizigste Kollektion von 1882 umfasst Icon drei handgemachte Serien, die jeweils die durch das Material Keramik gebotenen Möglichkeiten ausreizen. „Unser Manifest strebt die Verbindung von innovativem Design und traditionellem Kunsthandwerk an. Außerdem werden Grenzen des Materials untersucht. So auch in dieser Kollektion, die als hervorragendes Beispiel dafür dient, was Stoke-on-Trent in Bezug auf Keramik leisten kann. Der Prozess dauerte über zwei Jahre. Wir arbeiten immer noch daran, eines der Stücke zu perfektionieren.“

Lamb, ein beliebter Designer der Londoner Szene, hat bereits in der Vergangenheit mit 1882 zusammengearbeitet. Am bekanntesten ist die Kollaboration, die zur Crockery Collection führte. Lambs Beitrag zur Icon Sammlung greift das Konzept von 1882, das darin besteht, die Gussform per Hand zu meißeln auf, und nutzt dieses in einer größeren Skala. Das technische Können, das den Töpfern von 1882 bei der Herstellung riesiger Werke aus feinstem Porzellan abverlangt wird—Johnson zufolge handelt es sich um „richtige Bestien“—ohne, dass diese beim Brennen kaputt gehen, wird ihnen durch andere gegenwärtige Keramikmanufakturen nur schwer nachgemacht. Die Serie beinhaltet aufgrund der Komplikationen in der Herstellung nur 25 Stücke.

Das experimentale New Yorker Architektenbüro Snarkitecture forderte 1882 heraus, statt der Größe die Zerbrechlichkeit in zwei einander ergänzenden Designs zu erforschen, nämlich Positive und Negative. Diese bemerkenswerten zerbrechlichen Vasen zeigen, wie der Name bereits verrät, dasselbe Motiv—ein ausgehobenes, Styropor-ähnliches Muster jeweils in konvexer und konkaver Form—in entgegengesetzter Darbietung. Von oben betrachtet wirkt es wie ein Wunder, dass das hauchdünne Material so eine komplexe Intervention tragen kann. Obwohl die Handschöpfung eine Herausforderung darstellt, sind die Hersteller von 1882 dennoch darum bemüht, diese Serie zumindest vorläufig in unbegrenzter Menge herzustellen.

Big Vases by Max Lamb for 1882 Ltd. (2016) Photo courtesy of 1882 Ltd.  Pawsons Cast Bowl Design für die Icon Sammlung ist visuell betrachtet das einfachste. Umso ironischer, dass die Produktion die schwierigste ist. Als einer der führenden Meister des Minimalismus weltweit, investierte Pawson immensen Aufwand, um die perfekte Form zu erreichen—„eine stille Keramiklandschaft“ —deren Erfolg allein auf einer fehlerfreien Ausführung beruht.

Johnson erklärt, dass der Assistent von Pawson „mit einem Maßband erschien, da Pawson den Entwurf auf den Millimeter genau berechnete und dabei die 15% Schrumpfung des Porzellans beim Brennen berücksichtigte“. Der erste Prototyp von Pawsons Design fiel in sich zusammen. Die Töpfer von 1882 aber fanden eine Lösung. Es stellte sich heraus, das kleinste Staubkorn im Brennofen könne die Makellosigkeit dieser gut proportionierten Stücke beeinträchtigen. Die 25 Stücke dieser Serie wurden jeweils viermal in blassen Tönen glasiert - von Hand, natürlich.

Keramik aller Art wird derzeit gefeiert. Der Markt für Handgemachtes—nutzerorientiert und künstlerisch—trifft auf ein wachsendes Publikum. 1882 Ltd. sticht durch seinen Einsatz für die Bewahrung und Entwicklung regionaler, künstlerischer Fertigkeiten hervor, die seit Jahrzehnten in Stoke-on-Trent verwurzelt sind. Johnson führt die Qualität der Arbeiten auf die menschlichen Beziehungen zurück: „Ich arbeite mit den außergewöhnlichsten Menschen zusammen, von Wissenschaftlern über Modellierern bis hin zu Töpfern. Unsere Kundschaft kommt zu uns, wenn sie innovatives, wunderschön ausgeführtes Design sucht- sie ist einfach wundervoll. Es war mir so gut wie unmöglich, mich nicht in die Industrie zu verlieben.“

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