Unsere Vintage Spezialisten zeigen ihre Mid-Century Lieblinge


Die Favoriten unserer Händler

Noch nie war Mid-Century Modern Vintage Design so beliebt wie heute. Der Sekundärmarkt bietet Vintage-Begeisterten ein umfangreiches Angebot an Stilrichtungen, Materialien und Preisklassen. Sich für sein Lieblingsstück zu entscheiden ist bei der großen Auswahl nicht einfach und stellt Suchende oft vor eine echte Herausforderung. Deshalb haben wir unsere erfahrenen Händler gefragt, welche Mid-Century Stücke sie besonders erwähnenswert finden. Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr über die Favoriten unserer Händler.

Venini Vase by Carlo Scarpa, 1940s Photo © Galerie Stimmung Augustin David, Galerie Stimmung  Carlo Scarpa für Venini (ca. 1940er)

Sein Leben lang begeisterte sich Augustin David für Geschichte. Als Kind nahmen ihn seine Eltern auf zahlreiche Ausflüge zum Flohmarkt mit und seine Vorliebe wuchs stetig an. Für den in Paris ansässigen Händler trägt jedes Objekt ein Stück der Kultur und des Flairs anderer Welten in sich. Nachdem er sein Studium in Jura und Kunstgeschichte absolvierte, arbeitete er in einem Auktionshaus. Es stellte sich jedoch raus, dass dies nicht der richtige Schritt für ihn war. „Ich fühlte schnell, dass der Umsatz über allem steht“, so David. Außerdem hatte er nie ausreichend Zeit, die zahlreichen Objekte, die versteigert wurden, gründlich zu studieren.

Vor einem Jahr eröffnete David Galerie Stimmung. Hier kann er seiner Leidenschaft für Vintage Objekte nachgehen. „Ich sehe meine Galerie als Ort, an dem sich Kunst mit Geschichte verbindet“, so der Händler. „Meine Expertise und meine Freude an meiner Arbeit sind Teil meines Alltags.“ Es fällt schwer, David um den Einklang von Arbeit und Privatleben nicht zu beneiden: „Ich betreibe meine Arbeit mit Leidenschaft. Ich recherchiere und entdecke jeden Tag Neues.“

Davids Begeisterung für Gegenstände der Vergangenheit ist grenzenlos. Müsste er einen spezifischen Zeitpunkt nennen, der ihn besonders fasziniert, so würde er die Zeit um den Zweiten Weltkrieg wählen. „Ich bin vor allem am Übergang vom Ländlichen zum Urbanen und von handgefertigten Produkten zu industriell produzierter Ware interessiert, der sich Mitte der 1940er vollzog.“ Vielschichtigkeit reizt ihn und die 40er Jahre brachten gravierende Veränderungen mit sich, die Rahmenbedingungen für scheinbar widersprüchliche Bewegungen schafften. „Von Frankreich und Italien bis Finnland und Japan herrschte gleichzeitig ein Aufstreben modernistischen Designs sowie das Aufleben des traditionellen, regionalen Kunstgewerbes.“

Als Beispiel nennt David an dieser Stelle die Glasware des italienischen Architekten und Designers Carlo Scarpa, die in den 40er Jahren von Venini hergestellt wurde. Hier zeigt sich laut David „die gelungene Synthese von Murano-Glas Tradition und das Streben danach, zeitgenössische Glaskunst neu zu erfinden.“ Und weiter: „Scarpa ließ längst vergessene Techniken wieder aufleben und kreierte dabei neuartige Farben und Formen unglaublicher Fülle und Klarheit. Die Vase aus meiner Sammlung wurde um 1936 entworfen und wurde etwa zehn Jahre später produziert. Sie ist ein gutes Beispiel für anspruchsvolle Schlichtheit. Die Suche nach perfekter Ausgewogenheit und Proportion entfaltet sich als filigrane Leichtigkeit in geschlossener Form. Diese zeugt von der gelungenen Ausführung feinster Technik im Sinne des Fortschritts.“ 

 

Revolt Chair by Friso Kramer for Ahrend De Cirkel, 1953 Photo © Ahrend Joop Schot, Artbrokerdesign  Friso Kramers Revolt Chair (1953)

In den 1990er Jahren verkaufte der niederländische Händler von Artbrokerdesign, Joop Schot, Computersysteme an zukünftige Händler, um so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Privat arbeitete er jedoch an seiner Sammlung zeitgenössischer Designs, die Stücke von Philippe Starck und Borek Sipek umfasste. Als die Konkurrenz durch Dell zu stark wurde, begegnete Schot zufällig einem erfahrenen Vintage Händler in Antwerpen, der ihn unter seine Fittiche nahm und sein Berufsleben erheblich veränderte. Nach einigen Jahren der Betreuung errichtete Schot sein eigenes Vintage Design Unternehmen in Bergen op Zoom in den Niederlanden.

Seitdem behält Schot die Trends des Sekundärmarkts im Auge. Um 2005 wurde er auf die großen Erfolge französischer Händler und ihren Vertrieb von französischem Mid-Century Design und von Designern wie Jean Prouvé und Charlotte Perriand aufmerksam. Er erkannte, dass es für niederländisches Mid-Century Design noch keinen vergleichbaren Markt gab und nutzte seine Chance. Seitdem erweitert auf diesem Gebiet nicht nur seine Kenntnisse, sondern auch seine Sammlung, die mittlerweile sehr beeindruckt, allen voran das unnachahmliche Werk von Friso Kramer. Vor drei Jahren präsentierte Schot in Zusammenarbeit mit der Galerie Catherine Houard die erste Pariser Ausstellung zu Kramer. Vor kurzem wurde er um die Leihgabe einiger Werke für eine Ausstellung und Monografie zum niederländischen Künstler und Designer Constant Nieuwenhuijs gebeten, derzeit zu sehen im Cobra Museum of Modern Art in Amstelveen.

Laut Schot waren die 1950er ein magisches Zeitalter des Designs. Besonders reizen ihn die Stücke, die auf der Weltausstellung in Brüssel im Jahr 1958 gezeigt wurden. „Diese Zeit sprudelte nur so vor Möglichkeiten“, so Schot. „Der Wiederaufbau in Europa war ein voller Erfolg und die Möglichkeiten für junge Designer damit grenzenlos. Neue Techniken, die während des Krieges erfunden wurden, führten zu neuen Produktionsverfahren. Die Bevölkerung begrüßte die Innovationen.“ Dieser Zeitgeist spiegelt sich für Schot in Kramers klassischem Revolt Chair wieder, der 1953 entworfen und von Ahrend De Cirkel produziert wurde. Der Stuhl erzielte große Anerkennung sowohl auf der Triennale in Mailand 1954 als auch auf der Weltausstellung in Brüssel im Jahr 1958. Der Stuhl wurde in den Folgejahren zum nicht wegzudenkendem Einrichtungsgegenstand in Büros und Universitäten in ganz Holland.

 

Elizabeth Chair by Ib Kofod-Larsen, 1956 Photo © Wright Aaron FitzGerald, Dagmar London  Ib Kofod-Larsens Elizabeth Chair (1956)

Wie viele Vintage Händler ging auch der in London arbeitende Händler Aaron FitzGerald seiner Leidenschaft für Vintage nach, die letztendlich auch seine Kariere bestimmen würde. Nachdem er Jahre lang im Bereich des Grafikdesigns arbeitete, begann er aus Spaß damit, gefundene Objekte des 20sten Jahrhunderts zu restaurieren. Innerhalb weniger Jahre wurde diese Nebenbeschäftigung zu seiner Hauptbeschäftigung und zum vollwertigen Unternehmen. Heute arbeitet Dagmar London in einem Backsteingebäude in der Stoke Newington Nachbarschaft und ist auf Mobiliar und Keramik aus der Blütezeit des skandinavischen Modernismus spezialisiert. FitzGerald bringt seine Vorliebe für große Namen im Mid Century Design zum Ausdruck, die aus den USA, Brasilien und Europa stammen. Doch es sind die großen Dänen, wie Hans Wegner, Finn Juhl, Kai Kristiansen und Niels Møller, die seine Augen wirklich zum Leuchten bringen.

Wenn er sich ein Stück aussuchen müsste, das seinem Geschmack am ehesten entspräche, dann wäre das der Elizabeth Chair von Ib Kofod-Larsen, der 1956 entworfen und durch die gelernten Schreinermeister Christensen & Larsen in Dänemark produziert wurde. „Mein Lieblingszeitalter ist wohl 1945-1959”, meint er. “Dänische Designer wie Kofod-Larsen beschritten neue Wege des Möbeldesigns, und bewegten sich weg von den traditionellen Stilen ihrer Vorgänger, wie Frits Henningsen und Kaare Klint. Diese Möbel-Generation wurde weiterhin in geringer Stückzahl von Hand produziert, bis die industrielle Möbelproduktion in den 1960er Jahren die Herstellung übernahm. Das handwerkliche Produktionsverfahren verleiht den Stücken eine organische und einzigartige Qualität, die vor allem beim näheren Betrachten zur Geltung kommt.“

 

Mr Chair by George Mulhauser for Plycraft, ca. 1960 Photo © Wright Patrick Christmann, Velvet Point  George Mulhausers Mr. Chair (ca. 1960)

“Seit meiner frühen Kindheit haben mich alte Objekte fasziniert. Ich liebte es, das Haus meiner Großeltern im Elsass zu durchstöbern oder auf Flohmärkten in Straßburg zu bummeln“, so Patrick Christmann von Velvet Point in Karlsruhe, Deutschland. Als Erwachsener wuchs seine Begeisterung weiter und wurde von zahlreichen Schatzsuchen in Zentral- und Osteuropa begleitet. Vor etwa zehn Jahren merkte er, dass ihm der Platz für seine geliebten Designfunde nicht mehr ausreichte. Er schloss sich mit den Gleichgesinnten Birgit Mohr und Georgios Papapostolou zusammen und wurde Händler. „Es gibt nichts besseres, als seine Leidenschaft zum Beruf zu machen“, so Christmann.

Christmann beschreibt sich als Allrounder, dessen Leidenschaft darin besteht, jegliche Vintage Möbel und Objekte zu restaurieren und aufzufrischen: „Es ist immer eine spannende Herausforderung, die richtige Farbe und das richtige Material auszusuchen, um das ursprüngliche Wesen des Stückes aufrechtzuerhalten.“ Wie auch FitzGerald, hat die Nachkriegszeit es ihm besonders angetan: „Nach vielen langen Jahren Trauer und Einschränkung herrschte auf einmal so viel Kraft und Kreativität.“

Doch welches Stück repräsentiert seiner Meinung nach diesen kreativen Aufschwung am besten? Der vielbeachtete Mr. Chair. Der Stuhl des amerikanischen Architekten und Designers George Mulhauser wurde um 1960 entworfen und nur kurze Zeit durch die Spezialisten für Sperrholzmöbel Plycraft in Massachusetts produziert. Mr. Chair hat viele Gemeinsamkeiten mitHerman Miller’s Eames Lounge (1957), was wohl auf die Möbelherstellung durch Plycraft für Herman Miller in den 1960er Jahren zurückzuführen ist. Weiter ist auch zu sagen, dass Mulhauser jahrelang im Büro des renommierten Designers George Nelson arbeitete, der schließlich zugab, dass das Design von Nelsons ikonischem Coconut Stuhl (1955) tatsächlich auf Mulhauser zurückgeht.  

 

Joe Colombo in his Elda Chair, 1963 Photo © Joe Colombo Studio Oliver Seitz, Time Tunnel  Joe Colombos Elda Chair (1963)

Oliver Seitz von Time Tunnel in der Schweiz war schon immer Sammler: „Als ich ein Kind war, sammelte ich im Wald Vogelfedern, kleine Knochen und Schmetterlinge.“ Als er Ende der 1980er nach San Francisco zog, verliebte er sich in 60er-Jahre-Design. Bei seiner Rückkehr nach Zürich in den 90ern, brachte er einiges aus Haight-Ashbury mit sich. Anfangs verkörperte Time Tunnel alles von Plastik bis Pop Art, Holz war schlichtweg verboten.

Heute nimmt Time Tunnel ein zweistöckiges Gebäude in der Viadukt Markthalle in Zürich ein. Präsentiert werden hier Möbel, Beleuchtung und Accessoires aus dem gesamten 20. Jahrhundert, allen voran die Werke von Schweizer Designern wie Max Bill und Jakob Muller. Es wimmelt nur so von feinem Holz. Aber Seitz hat seine Vorliebe für Space Age Design und die Hippie Kultur nicht verloren.

"Mein Lieblingsstil sind immer noch die 1960er. Es war eine so bunte Zeit mit zahlreichen neuen Einflüssen und Materialien“, so Seitz. Er fügt hinzu: „Ganz viele Objekte der 60er verkörpern diesen Glauben an die Zukunft.“ Wenn er ein Stück nennen müsste, das dieses hoffnungsvolle Zeitalter repräsentiert, nennt Seitz den 1963 entworfenen Elda Chair des Italieners Joe Colombo, der von dem italienischen Hersteller Comfort produziert wurde (und heute von Longhi). Der Stuhl, der nach Colombos Frau benannt ist, stellt einen der ersten aus Glasfaser geformten Sessel dar. Als Kissen für den Stuhl entwarf Colombo mit Leder bezogene Rollen. Der Elda Chair ist heute in der ständigen Sammlung in Museen auf der ganzen Welt vertreten, darunter das MoMA, das Louvre, das Vitra und viele weitere. 

 

* Bilder des Elizabeth Stuhls und Mr. Chair mit freundlicher Genehmigung des Wright Auction House. Elda Stuhl mit freundlicher Genehmigung von Joe Colombo Studio.

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