Lernen Sie die facettenreiche libanesische Designerin Nada Debs kennen


Wenn alles zusammenpasst

Die vielseitig begabte libanesische Designerin Nada Debs wuchs in Japan auf und studierte an der Rhode Island School of Design, bevor sie nach Beirut zurückkehrte, um dort ihr eigenes Studio zu eröffnen. Seitdem hat sie ihr Unternehmen stark erweitert. Angefangen hat es mit Inneneinrichtung und Möbeldesign und nun betreibt Debs ihre eigene Produktions- und Markenentwicklung; wobei ihre einzigartige und kulturell vielfältige Sichtweise stets im Mittelpunkt steht.

Derzeit leitet sie ein Team von 20 Designer*innen und sie stellt eine jährliche Möbelkollektion mit ihrer eigenen Marke her. Zeitgleich nimmt sie Aufträge von privaten Kund*innen und globalen Einrichtungsfirmen entgegen. Gelegentlich entwirft sie sogar eigene Kunststücke. In der Ästhetik des Studios spiegelt sich die multikulturelle Erfahrung von Debs wieder. Sehr feine dekorative Elemente vermengen sich mit einem Gespür für zeitgenössische Designs und professioneller Handwerkskunst. Mit ihrer offenen Art sprechen die Werke von Debs eine klare Sprache, die dennoch stilvoll und gehoben wirkt.

Wir hatten die Freude, uns mit dieser aufstrebenden Star-Designerin austauschen zu dürfen, nachdem sie von einem hektischen Trip nach Mailand zurückgekehrt ist. Sie gewährte uns einen zauberhaften Einblick in ihre Leidenschaft für Handwerkskunst, Kultur und das Erzählen von Geschichten.

Pamono: Was brachte Sie zum Design und wie sind Sie in dieser Branche eingestiegen?

Nada Debs: Ich hatte schon immer eine Faszination für das Design und als ich sehr jung war, liebte ich es, mit eigenen Händen zu malen und zu zeichnen. Während meines Studiums der Innenarchitektur an der Rhode Island School of Design in den USA, hat es mir jedoch ein Kurs ganz besonders angetan: Möbeldesign. Darin hatte ich die Möglichkeit, unterschiedliche Materialien in einem funktionalen Objekt zusammenzubringen. Diese Erfahrung verleitete mich dazu, weitere Möbelstücke zu kreieren; selbst an den Wochenenden, als ich als Innenausstatterin arbeitete. Es war wirklich diese Leidenschaft für Handwerkskunst und Möbeldesign, die mich auf meine jetzige Bahn brachte.

Pamono: Sie haben eine äußerst interessante Biografie und Sie haben in so vielen unterschiedlichen Orten auf der Welt gelebt. Wo gefällt es Ihnen am besten und warum?

Nada Debs: Ich liebe es, sowohl in Kobe, Japan als auch in Beirut, Libanon zu sein. Beide Städte zusammen geben mir das Gefühl, dass ich mich vollständig verwirklichen kann. Es sind gegensätzliche Kulturen in vielerlei Hinsicht, aber genau das spricht mein persönliches Gefühl für Dualität an.

Pamono: Welche Recherchen oder welche Kernideen treiben zur Zeit ihre Arbeit an?

Nada Debs: Momentan erhalte ich viele Recherchen dazu, wie man die Handwerkskunst in unserer technologisierten Zeit fortführen kann. Deshalb konzentriere ich mich stark auf Techniken, die nicht von einer Maschine übernommen werden können.

Pamono: Welches Material bevorzugen Sie bei Ihrer Arbeit und warum?

Nada Debs: Ich liebe es, mit Holz zu arbeiten. Für mich fühlt es sich wie ein lebendiges Material an. Jede Maserung ist anders und es ist warm, wenn man es anfasst. Wir können es glatt schleifen oder rauh lassen. Es hat eine Seele.

Pamono: Sie haben darüber gesprochen, wie Emotionen und das Erzählen von Geschichten ein zentraler Bestandteil Ihrer Arbeit sind. Können Sie uns die Geschichte eines Wendepunktes oder eines wichtigen Meilensteins in Ihrem Leben erzählen?

Nada Debs: Ich war schon immer eine Einzelgängerin und ich hatte den Eindruck, dass ich in keine Kultur passe. Daher hatte ich oft den Wunsch, irgendwo hinzugehören. Als ich nach Beirut zog und die syrische Einlagenwerkstatt zum ersten Mal besuchte, war ich beeindruckt vom Stolz und der Leidenschaft der Handwerker*innen dort. Mir wurde auch bewusst, dass die Handwerkskunst eine Erneuerung brauchte und dies gab mir ein “Heureka-Erlebnis”. Als es mir gelang, meine Fingerspitzengefühl für die japanische Ästhetik mit der nahöstlichen Handwerkskunst zu verbinden, konnte ich eine neue Vision kreieren. Ich kam zur Einsicht, dass die Verschmelzung von zwei gegensätzlichen Kulturen von Vorteil für meine persönliche Identitätsfindung sein konnte.

Pamono: Tradition und Handwerkskunst sind zwei Ihrer Kernaspekte. Welche schwindende Tradition würden Sie gerne wieder ins Leben rufen?

Nada Debs: Ich denke, dass die traditionelle Kunst des Glasblasens interessant ist und es würde sich lohnen, neue Wege zu finden, mit denen die Arbeit nicht mehr so technisch aussieht. Allerdings ist auch die Kunst der Einlagen wunderschön und ich denke, dass es noch weitere Möglichkeiten gibt, da mit unterschiedlichen Materialien zu experimentieren.

Pamono: Wird die Technologie die Welt retten oder sie zerstören? Welche Technologien haben Ihr Leben verändert?

Nada Debs: Wir können nicht abstreiten, dass die Technologie ein wichtiger Bestandteil unserer heutigen Welt ist und ich bin der Ansicht, dass sie unser Leben vereinfachen sollte. Jedoch besteht die Gefahr, dass die Technologie das übernimmt, für was wir Menschen geschaffen  sind, wie z.B. dass wir unsere Hände und Finger zu benutzen, wenn wir malen oder Skulpturen und Handwerk erschaffen. Dazu gehört auch, dass wir von Angesicht zu Angesicht miteinander kommunizieren. Wenn dies an Technologien abgegeben wird, können sie unsere menschliche Natur zerstören. Da ich viel mit Handwerkskunst arbeite,versuche ich Objekte zu entwerfen, bei denen möglichst viel von Hand gefertigt wird. Technologie versuche ich so weit wie möglich zu vermeiden, auch wenn es dadurch ein bisschen länger dauert. Ich sage dazu immer: “Eile mit Weile.”

Pamono: Welche/n zeitgenössische/n Künstler*in oder Designer*in bewundern Sie am meisten?

Nada Debs: Ich habe sehr viel Respekt für Patricia Urquiola, denn ich glaube sie hat sich dadurch verdient gemacht, dass sie weichere Formen in das heutige Design eingeführt hat. Darüber hinaus hat sie industrielle Objekte mit den Techniken und Inspirationen aus der Handwerkskunst bereichert.

Pamono: Welches Ihrer eigenen Designs lässt Sie derzeit nicht los?

Nada Debs: Ich bin besessen von meiner Funquetry-Kollektion, die mit Einlegearbeiten spielt (also “fun” und “marquetry”).

Pamono: Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem 18-jährigen Ich geben? Oder welches ist der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Nada Debs: Mach was du liebst; was dir Freude und Zufriedenheit bringt, wenn du es tust. Gebe niemals auf; auch wenn es Zeit braucht, um sich durchzusetzen. Am Ende wird alles zusammenpassen.

  • Übersetzung von

    • Ilias Ben Mna

      Ilias Ben Mna

      Ilias wuchs im Süden Deutschlands auf, aber mittlerweile ist er an vielen Orten daheim. Sein Fernweh brachte ihn nach North Carolina, wo er das College Basketball Team seiner Uni in Chapel Hill anfeuerte, nach Tunesien, wo er sich oftmals einen schwarzen Tee mit seinen Verwandten genehmigte und in die bildhübsche Stadt Vancouver in Kanada, wo er als Social Media Manager arbeitete. Momentan schreibt er eine Doktorarbeit zum Thema Film und zu seinen Hobbies gehören Gitarre spielen und die Berliner Comedy Clubs, die er unbeirrbar auf der Suche nach dem nächsten Lacher durchforstet.

Designbegeisterte hier entlang