Wir stellen fünf Trends im Möbeldesign vor


Gefragt und angesagt

Von Wava Carpenter

Das 21. Jahrhundert läutet eine neue Ära für zeitgenössisches Design ein. Anspruchsvolle Kleinerzeuger*innen gründen neue Marken, internationale Designer*innen favorisieren regionale Materialien und arbeiten mit heimischen Handwerker*innen zusammen. Damit setzen sich die Akteur*innen der Designwelt über bestehende Grenzen und die aktuell vorherrschenden Verhältnisse hinweg. Das Ergebnis ist eine gelungene Fusion aus klassischen und modernen Elementen.

Maria Gustavsson gründete kürzlich Swedish Ninja. Die Arbeitsweise der Designerin spiegelt deutlich die Änderungen, die sich auf dem zeitgenössischen Möbelmarkt vollziehen. „Alles ist schnelllebiger. Die Kund*innen haben Zugang zu einer viel größeren Auswahl”, so Gustavsson. „Alle wollen ihre Einzigartigkeit ausdrücken. Hochwertige Handarbeit und Umweltbewusstsein werden immer wichtiger. Wir produzieren möglichst nah an unserem Hauptsitz [in Schweden], um zeitlose, raffinierte und interessante Objekte herzustellen.”

In Europa und den USA entstehen kleinere Trends innerhalb der branchenweiten Entwicklung zur begrenzten, lokalen und nachhaltigen Produktion. Fünf solcher aktuellen Tendenzen, die den Markt für zeitgenössisches Möbeldesign derzeit aufmischen, stellen wir Ihnen nun vor.

Voll ins Schwarze

Bunt ist heutzutage zwar überall angesagt, was die Farbe Schwarz aber nicht von einem starken Comeback, insbesondere in Verbindung mit außergewöhnlichen Formen, abhält. Nichts ist ansehnlicher oder cooler als eine tiefschwarze Fläche, die die plastischen Eigenschaften eines Stuhls, eines Tisches oder einer Lampe durch ihre schiere Anwesenheit zu betonen vermag.

Bilder oben: Zack Zack Satztische und Little Darling Lampe von Swedish Ninja ; Twisted Schrank, Kerzenständer und Stuhl von Ward Wijnant ; Dionis Beistelltisch von Konekt ; Fylgrade Sofa von Ctrlzak für JCP; T Tisch von Joyce Veul für Het Tafelbureau; Olo Lampe von Jean-Baptiste Fastrez für Moustache

 

Rank und schlank

Manche haben es lieber, wenn etwas mehr dran ist. Doch die zeitgenössische Designszene bevorzugt spindeldürre Erscheinungen. Schlanke Konstruktionen aus Stahl, Aluminium oder Messingröhren sind gefragt. Ihre Silhouetten mögen so schlank sein, dass sie kaum sichtbar sind, doch das macht sie nicht weniger imposant.

Bilder oben: C01 Chair von Simone de Stasio für Rck Design ; Em Schreibtisch von Örn Duvald ; Depostura Chair von Mario Milana ; Miro Garderobe von Meike Harde für Pulpo ; Alpi Lampe von Silvio Mondino ; Margin Chair von NOI .

 

Es lebe die Vielfalt!

Die Wiedergeburt des Handwerks der letzten Jahre brachte überraschende Kombinationen organischer und künstlicher Materialien hervor. Ob Holz, Leder, Textil, Keramik, Stahl, Stein, Öko-Kunststoff oder andere Gewebe, alles kann mit allem kombiniert werden. Hier wird Vielfältigkeit zelebriert!

Bilder oben: Darvaza Couchtisch von Pedro Teixeira für Alma de Luce ; Le Notre Sideboard von Pedro Teixeira für Alma de Luce ; Antivol Tische von Crtlzak für JCP; Oh Hark! Beistelltisch von Andreas Berlin; Wallie Tischlampe von Lorenza Bozzoli für Tato Italia ; Matter of Motion Hocker von Maor Aharon .

 

Sinn & Sinnlichkeit

Neulich hörten wir von einem Produktdesigner, der das Wiederaufleben des „Dekorativen” überhaupt nicht begrüße. Er ist wohl einer der radikalen Anhänger der Moderne, von denen es immer weniger gibt. Der Wunsch, das Zuhause möglichst liebenswert und gemütlich einzurichten, ist so alt wie die Menschheit selbst. Die angesagtesten Möbeldesigner*innen von heute gehen aufs Ganze und verwenden Samt, Fransen, Stickerei und Federn. Ihre filigran gearbeiteten Objekte zeugen von der Handschrift und der Leidenschaft der Designer*innen für alles Schöne und Sinnliche.

Bilder oben: Pause Sessel von Konekt ; Thing Ottomanen von Konekt ; Flat Pouf von Privatiselectionem ; Luna Oscar Hängelampe von Heike Buchfelder für Pluma Cubic; Handbestickte Kissen von Jupe by Jackie; Albeo III Beistelltisch von Irene Maria Ganser .

 

Grün, grün, grün

Zimmerpflanzen zählen aktuell zum absoluten Muss jeder Inneneinrichtung. Seien Sie experimentierfreudig! Gestalten Sie Ihr Zuhause mit üppigem Grün und setzen Sie Ihre Pflanzen mit ausgefallenen Übertöpfen in Szene. Hierzu passen originelle Designobjekte und Möbelstücke, deren sorgfältige Verarbeitung natürlich und organisch anmuten und etwas von der erdnahen Ästhetik der Mineralien haben. Öffnen Sie Ihre vier Wände der gepflegte Gartenpracht – und schon fühlen Sie sich wie im Paradies!

Bilder oben: Pflanzenständer aus Holz von Rafael Fernández für Oitenta ; Gottesanbeterin aus Kristallglas von Isaac Monté; Metal Rock Collection von Michael Young für Veerle Verbakel Gallery; Sailor Hammock von Studio Gam ; Maria Kronleuchter von Pani Jurek für Gang Design ; Blumenkugel Hängekorb von Zascho Petkow für Atelier Haussmann .

 

*Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung der Designer*innen.

 

  • Text von

    • Wava Carpenter

      Wava Carpenter

      Seit ihrem Studium in Designgeschichte an der Parsons School of Design hatte Wava schon in vielen Bereichen der Designkultur den Hut auf: sie lehrte Designwissenschaft, kuratierte Ausstellungen, überwachte Auftragsarbeiten, organisierte Vorträge, schrieb Artikel und erledigte alle möglichen Aufgaben bei Design Miami. Wava lässt den Hut aber im Büro – auf der Straße bevorzugt sie ihre Sonnenbrille.
  • Übersetzung von

    • Jessica Hodgkiss

      Jessica Hodgkiss

      Jessica ist Cheesecake-Enthusiastin, Kunstliebhaberin und man findet sie häufig auf Flohmärkten. Außerdem liebt sie es, Zeit in Berlins wunderschönen Parks und den Seen in der Umgebung zu verbringen. Die in München geborene Übersetzerin studiert zur Zeit Kunstmanagement im Master.

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