Pamonos Redakteurinnen stellen die neuesten schwedischen Vintage Designtrends vor


Schatztruhe: Von Hygge zu Lagom

Von Anna Carnick, Wava Carpenter

Pernilla 3 Sessel von Bruno Mathsson für Karl Mathsson, 1961 Foto © Modernisten Skandinavisches Design wird wohl immer einen ganz besonderen Platz in den Herzen der Designliebhaber einnehmen. Und was sollte man auch nicht an den zeitlosen, hochwertigen, skulpturalen Stücken dänischer Meister wie Hans Wegner, Arne Jacobsen und anderen lieben? Wir merken allerdings, dass irgendwo unter der Oberfläche ein Verlangen nach neuen Klassikern wächst. Damit wollen wir auf keinen Fall sagen, dass die skandinavische Ästhetik der Nachkriegszeit auf einmal grundlegend abgelehnt würde, sondern vielmehr, dass sich ein Wandel hin zu etwas zarteren und charmanteren Stücken abzeichnet. Weniger Don Draper; mehr Ingrid Bergman. Dies hat dazu geführt, dass der Markt für skandinavisches Design langsam aber stetig  seinen Fokus von Dänemark nach Schweden verlagert hat.

Unter den Mid Century Skandinaviern sind es die schwedischen Designer, die bis weit in die Nachkriegszeit an Formen fest hielten, die an Art Deco erinnerten. Der strikte Minimalismus der Moderne wurde durch sanftere Farbpaletten, geschwungene Verzierungen und eine unerschütterliche Ehrfurcht vor Handwerk und traditionellen Formen abgemildert. Die Designs waren schlicht, aber nicht zu schlicht. Zart aber robust. Elegant und trotzdem zugänglich. Genau zwischen architektonisch selbstbewusst und dekorativ einladend angesiedelt, verkörpert schwedisches Vintage Design die ausgewogene Schönheit, die entsteht, wenn man Extreme hinter sich lässt und sich stattdessen in Mäßigung übt. Und tatsächlich haben weltweit viele Trendsetter das schwedische Konzept lagom – was grob übersetzt „genau das richtige Maß“ bedeutet – für sich entdeckt und zum neuen hygge ernannt.

Lesen Sie weiter, um unsere neuesten schwedischen Vintage Schätze zu entdecken. Und wenn Ihnen das, was sie sehen, gefällt, dann klicken Sie einfach auf die Bilder, um mehr zu den einzelnen Stücken zu erfahren. 

Nordiska Kompaniet

Mitte des vergangenen Jahrhunderts produzierte Nordiska Kompaniet , eines der berühmtesten Kaufhäuser Stockholms, ein großes Sortiment an luxuriösen Möbeln, Beleuchtungen und Dekorationen. In letzter Zeit haben wir mehr und mehr Exemplare dieser Marke aus den 50ern und 60ern auf dem Vintage Markt entdeckt und fühlen uns insbesondere zu den Stücken hingezogen, die einen Weg zwischen moderner Reduzierung und traditionelleren Formen und Motiven gehen. Schauen Sie sich die charaktervollen Arbeiten des eher weniger bekannten Designers David Rosén an; wir lieben es, wie man sofort das gehobene schwedische Bürgertum der Nachkriegszeit vor Augen hat.

 

Oben abgebildet: Lovö Stühle von Axel Einar Hjorth für Nordiska Kompaniet, 1932; Paradiset Sofa von Kerstin Hörlin-Holmquist für Nordiska Kompaniet, ca. 1956; Futura Couchtisch von David Rosén für Nordiska Kompaniet, ca. 1952; Mahagoni Nachttische von David Rosén für Nordiska Kompaniet, ca. 1950er; Gekachelter Couchtisch von Stig Lindberg & David Rosén for Nordiska Kompaniet, ca. 1955; Tokyo Armlehnstühle von Carl-Axel Acking für Nordiska Kompaniet, ca. 1960.

Bodafors

Bodafors , oder genauer gesagt: Svenska Möbelfabrikerna i Bodafors, ist eine dieser Designmarken des 20. Jahrhunderts, zu denen nur wenige historische Details überliefert sind. Durch die vielen Bodafors Produkte, die heute auf dem Vintage Markt zu finden sind, wissen wir aber, dass das Unternehmen mit einer Reihe von herausragenden schwedischen Talenten zusammenarbeitete, darunter Carl-Axel Acking, Bertil Fridhagen, Axel Larsson, Carl Malmsten und Bruno Mathsson

Wie viele der skandinavischen Hersteller dieser Ära, stellte Bodafors reduzierte, praktische Sitzmöbel, Tische und Aufbewahrungsmöbel aus hochwertigen Holzarten wie Teak, Mahagoni und Eiche her. Bodafors Möbel unterscheiden sich jedoch dadurch von ihren dänischen Gegenstücken, dass sie eine eindeutige Tendenz zu Leichtigkeit, Zartheit und Bescheidenheit aufweisen. Außerdem sind die Preise nach wie vor attraktiver als bei vielen der dänischen Marken.

 

Oben abgebildet: Teak Frisiertisch von Sven Engström & Gunnar Myrstrand für Bodafors, 1962; Schrank aus Teak und Eiche von Carl-Axel Acking für Bodafors, ca. 1950er; Lehnstühle aus Leder und Eiche von Bertil Fridhagen für Bodafors, ca. 1960; Teak Sofa & Sessel von Folke Ohlsson für Bodafors, 1968; Lehnstühle aus Eiche von Folke Ohlsson für Bodafors, 1961; Mahagoni Rollschreibtisch, wahrscheinlich von Bertil Fridhagen für Bodafors, ca. 1950er.

 

Hans-Agne Jakobsson

Wenn wir schon dabei sind, Dänemark und Schweden zu vergleichen, kann man sagen, dass Hans-Agne Jakobsson insofern so etwas wie der Poul Henningsen seines Landes ist, als dass auch er sich ausschließlich auf Beleuchtungsdesigns konzentrierte und seine Arbeiten auf dem Vintage Markt heiß begehrt sind. Anders als Henningsen stellte Jakobsson seine eigenen Designs jedoch durch seine gleichnamige Firma ebenfalls her und experimentierte gerne mit unterschiedlichen Materialien und Formen, von denen er über die Jahre viele ausprobierte. Das Resultat ist, dass Jakobsson etwas für jeden Geschmack zu bieten hat, von Art Deco und Swedish Grace bis hin zur organischen Moderne, Space Age und vielem mehr. Momentan sind es seine Tisch- und Hängelampen aus Messing mit Fransen aus Seide, die Dekorateure auf der ganzen Welt begehren.

 

Oben abgebildet: Lamello Hängelampe von Hans-Agne Jakobsson, ca. 1960; Carolin Tischlampe von Hans-Agne Jakobsson, 1963; T607 Fransenlampe von Hans Agne Jakobsson, 1963; T766 Hängelampen von Hans-Agne Jakobsson, ca. 1970; L47 Kerosin Tischlampe von Hans-Agne Jakobsson, ca. 1950er; Stahl Hängelampe von Torsten Orrling für Hans-Agne Jakobsson, ca. 1970.

Industrial Swedish

Nachdem wir viele schwedische Mid Century Designs gepriesen haben, die eher traditioneller aussehen, wollen wir betonen, dass es natürlich auch in Schweden rein funktionalistische Stücke gibt. Denen, deren Einrichtungsmotto Minimalismus heißt, können wir einige großartige schwedische Unternehmen empfehlen, die reduzierte Perfektion im Angebot haben, wie zum Beispiel die ikonischen Regale mit Leiterrahmen von Nisse Strinning  und die weniger bekannten modularen Regale mit Stahlrahmen von  Exqvisita . Oder den frühen industriellen Büro-Look von Åtvidabergs , die richt- und verstellbaren Lampen von ASEA , und die geschichteten, biomorphen Hängelampen von Granhaga Metallindustri  , die großartig sind für Effekte mit indirekter Beleuchtung. Und selbstverständlich darf Schwedens größter Beitrag zur Moderne nicht fehlen: Greta Magnusson Grossmans beliebte Gräshoppa Lampe, hergestellt von Bergboms.

 

Oben abgebildet: Trava Hängelampen von Carl Thore (Sigurd Lindkvist) für Granhaga Metallindustri, ca. 1960er; Modell 14 Bücherregal von Exqvisita Style, ca. 1960er; Ulmenholz Wandregal von Nils “Nisse” Strinning für String Furniture, ca. 1960er; Verstellbare Tischlampen von ASEA, ca. 1950er; Drehstuhl wahrscheinlich von Einar Dahl für Åtvidabergs, ca. 1930er; Grashüpfer Lampe von Greta Magnusson Grossman für Bergboms, ca. 1947.

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    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.
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    • Wava Carpenter

      Wava Carpenter

      Seit ihrem Studium in Designgeschichte an der Parsons School of Design hatte Wava schon in vielen Bereichen der Designkultur den Hut auf: sie lehrte Designwissenschaft, kuratierte Ausstellungen, überwachte Auftragsarbeiten, organisierte Vorträge, schrieb Artikel und erledigte alle möglichen Aufgaben bei Design Miami. Wava lässt den Hut aber im Büro – auf der Straße bevorzugt sie ihre Sonnenbrille.
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    • Audrey Kadjar

      Audrey Kadjar

      Audrey ist in Amerika geboren, hat französische Wurzeln und ist in zahlreichen Ländern aufgewachsen. Bevor sie bei Pamono anfing, studierte sie Kunstgeschichte in London und arbeitete in der Kulturindustrie. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist an der perfekten Übersetzung zu arbeiten, schreibt sie für zahlreiche Kulturmagazine, arbeitet an ihrem experimentellen Zine oder vertieft sich in Kunst- und Fotografieprojekte.

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    • Annika Hüttmann

      Annika Hüttmann

      Annika ist umgeben von skandinavischem Design zwischen Norddeutschland und Südschweden aufgewachsen. Für ihr Literaturstudium zog sie nach Berlin und entdeckte dort ihre Leidenschaft für deutsche Vasen aus den 1950ern-70ern, von denen sie inzwischen mehr als 70 Stück besitzt

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    • Natalia di Giammarco

      Natalia di Giammarco

      Natalia ist in Rom geboren und aufgewachsen. Dort studierte sie Fremdsprachen im Bachelor und zog für ihren Masterstudiengang nach Berlin. Obwohl sie die Anmut ihrer Heimatstadt vermisst, hat sie Berlins Exzentrizität immer schon fasziniert. Sie interessiert sich für gutes Kino, Reisen, gutes Essen und Theater- liegt aber auch gerne für ein paar Stunden in der Sonne und entspannt mit einem Buch in der Hand.  

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