Vier brillante Beleuchtungsdesigner, die Sie im Auge behalten sollten


Strahlende Lichter

Von Anna Carnick

Beleuchtung kann den Charakter eines ganzen Raumes mit nur – im wahrsten Sinne des Wortes – einem Knopfdruck komplett verändern. Vom Ungewöhnlichen hin zum Inspirierenden, vom Minimalistischen zum Monolithischen, vom Wilden zum außerirdisch Anmutenden; die Arbeiten dieser vier jungen, neue Wege einschlagenden Studios mischen die Designwelt auf. Lesen Sie hier mehr über diese aktuell im hellsten Licht erstrahlenden Talente.

Naama Hofman

Ausgefallen, aber elegant – so lassen sich die Beleuchtungen der in Israel geborenen Designerin Naama Hofman in aller Kürze beschreiben, bei denen sich alles um klare Linien und weichen, intimen Lichtschein dreht. In ihrer Heimatstadt Tel Aviv arbeitete sie mit diversen lokalen Künstlern zusammen, um ihre Entwürfe umzusetzen und griff dabei überwiegend auf LEDs, Luxus Metalle und Glas zurück. „Es steckt eine wahre Schönheit in allen unangestrengten Dingen und diese versuche ich jedes Mal zu erreichen.“, beschreibt Hofman ihren ästhetischen Anspruch.

Ihr charakteristischer Stil ist der minimalistische Chic, das Ergebnis eines konsequenten, genau durchdachten Arbeitsprozesses. „Wenn ich etwas entwerfe, stelle ich mir immer die Frage: Wie kann ich am wenigsten Material verwenden? Wie kann ich lediglich das nutzen, was ich brauche?“, so Hofman.

Ganz besonders haben wir uns in die neue, aus Messing gefertigte Tube Pendant Collection der Designerin verliebt, welche ausdrucksstarke, fast kalligrafische Linien durch den Raum zwischen Fußboden und Decke zieht. Über die Formen sagt Hofman: „Ich wollte [eine Serie an Objekten] schaffen, die mehr Raum im Raum einnimmt. Ich habe die Linien mehr als sich bewegende Teile eines ganzen Körpers angesehen. Es ist ein bisschen so, wie auf einem Bein zu stehen und seine Gliedmaßen in alle Richtungen auszustrecken.“

 

Nir Meiri

Ein weiterer aus Tel Aviv stammender Designer ist Nir Meiri, der jedoch bereits seit einigen Jahren das Vereinigte Königreich sein glückliches Zuhause nennt. Ansässig in London ist Meiri bekannt für seine experimentellen Designs, die die Grenzen unkonventioneller, meist organischer Materialien ausloten und so Stücke mit starker Persönlichkeit entstehen lassen – seine Black Swan Lampe (2015) zum Beispiel, erscheint als würde sie jeden Moment aus dem Raum spazieren. Eine Stehlampe aus Sand? Kann das funktionieren? Ja, es kann! Eine Tischlampe aus Seegras? Auch das geht. Was aber wirklich erstaunlich ist, ist nicht nur der erforschende Ansatz von Meiris Arbeiten, sondern der Fakt, dass er es schafft, diese meist wilden, rauen Materialien in solch anmutige, wunderschöne Formen zu bändigen. Dieses einzigartige Talent führte zu einem ihm gegenüber gestiegenen Interesse in den vergangenen Jahren und brachte ihm einige Kollaborationen mit weltweit renommierten Galerien, wie Nilufar und Rossana Orlandi in Mailand, dem Design Museum Holon und dem Tiroche Auktionshaus in Israel ein sowie der Mint Gallery und 19 Greek Street in London.

Fragt man ihn nach der Rolle der Natur in seinen Arbeitsprozessen, erzählt er: „Schon im sehr jungen Alter fühlte ich mich zur Natur und Tieren hingezogen. Ich zog immer verschiedenste Tiere auf und zwischen 12 und 18 Jahren half ich freiwillig in zwei unterschiedlichen Zoos in Israel aus. Ich war mir eigentlich sicher, ich würde Zoologe werden! Als der, der ich bin, als Designer und Künstler, habe ich mich also ganz instinktiv nach natürlicher Schönheit umgeschaut und diese aufgesogen, bei Pflanzen nach Inspiration gesucht und die Bewegungen und Formen von Tieren analysiert und diese schließlich in meine Objekte übersetzt.“

Aktuell arbeitet Meiri an einer neuen Möbelkollektion für Nilufar, sowie als Auftragsarbeit an Beleuchtungsentwürfen für einen neuen Londoner Mehrzweckraum für Kunst und Performance. Später diesen Jahres wird er eine große Soloausstellung in der Omer Tiroche Contemporary Art Galerie (OTCA) in London eröffnen, die zeitlich an das London Design Festival geknüpft ist. Das Thema: Objekte, die mit Materialien der Fischereiindustrie arbeiten. Natürlich, was sonst? Denken wir an Schuppen, Fischleder, Salz und andere maritime Materialien, können wir es vor Neugier kaum erwarten und sind definitiv dabei, wenn es soweit ist.

 

OS ∆ OOS

Syzygy: Occultation Courtesy of Studio OS ∆ OOS Das niederländische Duo Sophie Mensen und Oskar Peet, auch bekannt als OS ∆ OOS, hat sich auf großartige, eigentümliche Designs spezialisiert, die nicht von dieser Welt zu stammen scheinen. Das in Eindhoven ansässige Studio kreiert konzeptionell geprägte Objekte, die sich auf der schmalen Linie zwischen Funktionalität und Fine Art bewegen. „Während des Prozesses, vom Konzept bis hin zum Endergebnis, versuchen wir die Essenz des Objektes reduzierend zu verfeinern, soll heißen, dass jedes Element [das letztlich übrig bleibt], einen bestimmten Zweck erfüllen muss. So entsteht meist ein minimalistischer Eindruck, während das Objekt selbst eher wie ein eigenständiges, rein künstlerisches Werk erscheint. Beschäftigt man sich aber etwas genauer damit, entdeckt der Betrachter erst die Fähigkeiten des Objektes. Unsere Arbeit hat immer auch einen funktionalen Anspruch, so wissen wir, dass wir keine Künstler sind – obwohl es schön ist, fälschlicherweise ab und an für welche gehalten zu werden.“

Die skulpturale, überaus physikalische Syzygy (gesprochen sĭz-ĭ-jē) Kollektion veranschaulicht diese Verbindung von Kunst und Design in Perfektion. Inspiriert vom astronomischen Phänomen selbigen Namens – in welchem drei Himmelskörper in gerader Linie zueinander stehen (ähnlich wie bei einer Sonnen- oder Mondfinsternis) – erscheinen diese markanten Lampen aus Glas und Beton als vollendetes Objekt gleichermaßen altertümlich und futuristisch. Eine konstante Lichtquelle, welche unsere Sonne nachahmt, aber von Zeit zu Zeit nur partiell zum Vorschein kommt, kann verschieden eingestellt und mit Hilfe verschiedener Licht filternder, drehbarer Scheiben in diversen Kombinationen beeinflusst werden – manchmal verdecken sie vollständig, manchmal nur teilweise, manchmal gar nicht die Lichtquelle – ganz so wie beim Vorbild, dem syzygy Phänomen.

Mensen und Peet, die sich als Studenten der Design Akademie Eindhoven kennengelernt haben, sind sehr vorsichtig bei der Entscheidung, welche Entwürfe sie der Welt übergeben. Wie Mensen erklärt: „Wir erarbeiten und bearbeiten ein Projekt solange, bis wir das Gefühl haben, dass es auf mehreren Ebenen kommuniziert. Mit der endlosen Anzahl an Werken, die heutzutage hergestellt werden, glauben wir, so viele Gründe wie möglich zur Existenzberechtigung eines Objektes finden zu müssen. Das letzte was wir wollen, ist ein neues Projekt zu beginnen nur um ein neues Projekt zu beginnen.“

 

Arnout Meijer

Der Niederländer Arnout Meijer wird angetrieben von zwei konstanten Themen: Licht und Wahrnehmung. „Ich bin fasziniert von unserer Wahrnehmung“, so Meijer, „da die Art, wie wir Sinn aus der uns umgebenden Welt schöpfen, die Realität bestimmt, in der wir leben. Unser dominierendes Wahrnehmungsvermögen ist dabei unbestreitbar unser Sehvermögen, welches vollständig von der Präsenz des Lichtes abhängig ist.“


Die Komplexität dieser zwei Themenbereiche dienen als Quelle seiner konstanten Recherche, welche eine breite Reihe an Disziplinen umfasst, zu denen Produktdesign, Kunst, öffentliche Skulpturen, architektonische Eingriffe, Inneneinrichtung und Textarbeit gehören. Allgemein sagt Meijer: „Ich versuche, die versteckten Systeme, die kontrollieren, wie wir sehen, offenzulegen und den Wert der Wahrnehmung zu hinterfragen. Der Zusammenhang von Realität und Illusion unseres Sehvermögens und unserer Kultur, dient als Basis meiner künstlerischen Praxis.“ Seine Inspirationsquellen reichen vom kanadischen Philosoph Marshall McLuhan und dem niederländischen Astronomen Marcel Minnaert bis zu einer fortwährend anwachsenden Sammlung lichtverzerrender Kunststoffe, Gläser, Linsen, Lichtquellen und elektronischer Gegenstände sowie dem kürzlichen Interesse an dem Umstand, dass die Bewegung der Gestirne Einfluss auf unsere Weltsicht hat.“
 

Arnout Meijer's One Point Perspective collection Photo courtesy of Arnout Meijer Studio

Wenig überraschend spielen daher auch seine Designobjekte mit unseren Sinnen und regen oft zur genaueren Betrachtung dessen an, was wir vor uns sehen. Meijers Durchbruch, die skulpturale Lichtserie Thanks for the Sun (2013), besteht aus sich farbverändernden LEDs, die eine Palette warmer und kalter Farben aussenden, wie es auch die Folgeprojekte Thanks for the Planets (2014) und Thanks for the Sky (2015) tun. Seine Every Light (2015) und One Point Perspective (2016) Serien bestehen beide aus Objekten, die verschiedene Lichtformen einfangen und sich je nach Position des Betrachters zum Objekt verändern. Meijer beschreibt den Ansatz dieser Stücke wie folgt: „Alles zentriert sich im Auge des Betrachters. Keine zwei Anblicke gleichen sich. Du bist der Fluchtpunkt deiner eigenen Perspektive.“

Fragt man ihn danach, was genau Licht an sich hat, dass es ihn antreibt, so erklärt Meijer: „Licht hat einen starken Einfluss auf unseren Geisteszustand in Form von natürlichem Tageslicht oder auch Kunstlicht bei Nacht. Es ist ein omnipräsentes, nicht greifbares Material, extrem dynamisch und – im Gegensatz zu sämtlichen anderen skulpturalen Medien – immer in Bewegung. Es hat einen verführerischen und gleichzeitig verwirrenden Charakter. Ohne Licht gäbe es weder Teleskope, noch Mikroskope, Fotografien, Filme, Fernsehen, Satelliten, Leinwände, Video oder Big Data.“ Abschließend fasst er zusammen: „Es ist das vielleicht meistverbreitete Kommunikationsmedium der Erde.“

  • Text by

    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.

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