Zu Besuch in Basel bei Antiquitätenhändler Reha Okay


Okay Now

Von Gretta Louw

Der Besuch in den frisch renovierten Lager- und Ausstellungsräumen von Okay Art ist schon ein besonderes Erlebnis. Per Knopfdruck öffnen sich die riesigen Metalltüren und einen Moment später steht Unternehmenschef Reha Okay auf der Rampe des unterirdischen Parkdecks zur Begrüßung bereit. “Sesam öffne dich” sagt Okay während er die Innentür aufschließt. Es stimmt schon, die Passage hat etwas von Aladdins Schatzkammer: das düstere Parkdeck führt in einen hellen, weitflächigen Raum dessen frisch gestrichene, weiße Wände zahlreiche, klassisch-moderne Designstücke gekonnt in Szene setzen. Sessel von Eamesperfekt darauf abgestimmte Esszimmerstühle von Hans Wegner Sideboards von Kai Kristiansen zwei Barhocker von Alvar Aalto und, im Zentrum, eine Reihe Deckenleuchten aus der Nachkriegszeit. Liebhaber des Midcentury Modern kommen hier definitiv voll auf ihre Kosten.

Reha Okay fand auf Umwegen zu dieser geheimen Schatzkammer. „Ich war früher Geschäftsmann mit Krawatte und Anzug“, erklärt er. „Möbel waren damals nur ein Hobby für mich.“ Da sein Vater Antiquitäten restaurierte und Midcentury-Möbel liebte, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das Vintagefieber auch den jungen Okay packte. “Ich bin mit modernem Design aufgewachsen, besonders mit dem skandinavischen”, sagt er und erzählt weiter, dass er schon als junger Erwachsener sehr viel Zeit auf Flohmärkten verbrachte.

Anfangs sammelte er nur Möbel für sein eigenes Zuhause. Doch schon bald waren die Kapazitäten seiner eigenen vier Wände gesprengt und Okay fing an, Sachen in die Garage auszulagern. Eines Tages musste er sein Auto schließlich auf der Straße parken, weil es in seiner Garage vor lauter Designklassikern keinen Platz mehr gab. Da wurde ihm bewusst, dass er dringend einige Stücke aus seiner Sammlung verkaufen musste. Aus diesem Unterfangen ein ernsthaftes Geschäft zu machen, war nie geplant. Doch als Okay zu seiner großen Freude merkte, dass sein Nebenprojekt genauso lukrativ war wie sein eigentlicher Beruf, wagte er den Sprung.

Bereits ab 2005 stellte Okay seine Arbeiten in diversen Ausstellungsräumen in Basel aus. Doch ihm fiel immer wieder auf, dass seine Kunden sich bestimmte Möbel in der Galerie ansahen, sie anschließend aber lieber online kauften. War ein Stück aber zufällig im Lager vorhanden, kamen die Kunden gerne dorthin, um es sich anzusehen. Viele von ihnen schienen laut Okay davon auszugehen, dass sie in einer schicken Galerie im Stadtzentrum mehr bezahlen müssten. Denn, ganz ehrlich, solche Räumlichkeiten kosten ein kleines Vermögen. Also machte er Luxusgalerie und Café im Stadtzentrum dicht und zog komplett in die renovierten Lager- und Ausstellungsräume. “Ich will unabhängig vom regionalen Markt arbeiten und mich mehr auf den globalen Kontext konzentrieren”, sagt Okay. Er macht kein großes Geheimnis daraus, dass sich 90 Prozent seines Geschäfts online abspielen. Außerdem kennt er sich mit den  sozialen Medien gut aus, die heutzutage eine immer größere Rolle spielen und über Erfolg (oder Scheitern) von Unternehmen wie seinem entscheiden können. “Wir erleben gerade eine Revolution” stellt er bedenkend fest, “manche Leute haben gar keine Ahnung, wie viel sich verändern wird.”

Nach dem Krieg wurde alles neu erfunden und alles war erlaubt. Man kann das eigentlich nur mit der Renaissance vergleichen.

Doch obwohl diese Veränderungen wirtschaftlich  betrachtet ziemlich interessant sind, geht es Okay letztendlich nur um seine Möbel. Mit Nachdruck beschreibt er seine große Liebe für moderne Formen: “In der Zeit nach dem Krieg wurde alles neu erfunden und alles war erlaubt. Man kann das eigentlich nur mit der Renaissance vergleichen.” Für Okay war die Moderne “das goldene Zeitalter der Formen.” Ein Zeitalter, das heute lediglich neu interpretiert oder, schlimmer noch, einfach kopiert wird. Neue Möglichkeiten der Materialherstellung – insbesondere durch 3D-Drucker – interessieren ihn schon, aber seiner Meinung nach fehle “die Qualität echter Handarbeit.”

Sieht man sich im Okay Art Showroom mit seinen Werkstätten und  verschiedenen Restaurationsbereichen um, – hier und da stapelt sich echtes Midcentury-Leder in allen möglichen Farben, mit dem Okay und sein Team alte Möbel wie in Stand setzen – wird schnell klar, warum ihm Handwerk und die geschickten Hände von Profis so viel bedeuten. “Das habe ich von meinem Vater.” erklärt er. “Man kann eigentlich alles reparieren, wenn die Qualität stimmt.”

 

  • Text & Fotos von

    • Gretta Louw

      Gretta Louw

      Die multidisziplinäre australische Künstlerin Gretta wurde in Südafrika geboren und lebt zurzeit in Deutschland. Sie ist Sprachenthusiastin und Weltenbummlerin, hat einen Abschluss in Psychologie und eine große Vorliebe für die Avantgarde.
  • Übersetzung von

    • Hanna Komornitzyk

      Hanna Komornitzyk

      In ihrer Freizeit widmet sich Hanna den neusten US-Serien, langen Laufrunden an der Spree und dem kulturellen Leben Berlins. Ihre erste große Liebe war die Kunst, dicht gefolgt von SciFi und Arthouse-Filmen, Indie und Alternative, Bauhaus und Grafikdesign. Neben dem Übersetzen findet sie Entspannung vor allem im Web, wo sie stundenlang imaginäre Wohnräume mit minimalistischer, leicht verträumter Designerware einrichtet. Hanna ist in der westfälischen Provinz aufgewachsen und kam für einen Master in English Studies nach Berlin.

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