Das jüngste spannende Projekt der Designkuratorin Alice Stori Liechtenstein


Ad Mensam

Die Designkuratorin Alice Stori Liechtenstein startete 2015 das Residenzprogramm und die Ausstellungsplattform Schloss Hollenegg for Design. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Nachwuchsdesigner*innen aus aller Welt zu unterstützen. Das Projekt ist in einem barocken österreichischen Schloss beheimatet, das zugleich auch als das Zuhause von Stori Lichtenstein fungiert. Dort gewährt sie der Öffentlichkeit einmal im Jahr Zugang zum Projekt, um die neuen Arbeiten von einer Auswahl angehender Designer*innen zu präsentieren.

Dieses Jahr feiert Schloss Hollenegg sein viertes Bestehungsjahr. Die jüngste Ausstellung Ad Mensam, das auf Latein Zu Tisch bedeutet, öffnet ihre Tore am 17. Mai diesen Jahres. Zur Schau gestellt werden exklusiv für die Ausstellung beauftragte Arbeiten von 20 talentierten Designer*innen, darunter James Shaw, Dean Brown, Nel Verbeke, Ferréol Babin , Sara Ricciardi und Katie Stout.

Laut Stori Lichtenstein erforscht Ad Mensam “den Tisch als Ort der Begegnung, an dem wir Essen teilen, uns benehmen, streiten und versöhnen.” Der Esstisch hat in jedem Zuhause einen zentralen Platz und eine besondere Bedeutung, da er "ein Ort ist, an dem Rituale von großer Wichtigkeit sind und der auch entscheidet, mit wem wir zusammensitzen und wie [wo] die Regeln des gemeinsamen Speisens intuitiv und traditionsbewusst vonstatten gehen.”

 

Wir sprachen mit Stori Liechtenstein über die Ausstellung.

 

Anna Carnick: Wie sind Sie zu dem diesjährigen Thema, Ad Mensam, gekommen?

Alice Stori Liechtenstein: Ich bin eine starke Befürworterin von Konzepten. Ich suche stets nach Themen, die in irgendeiner Weise auf das Schloss Bezug nehmen. Schloss Hollenegg ist immer ein Ort gewesen, der Besucher*innen willkommen heißt und unterhält. Aber auch Bräuche waren kontinuierlich von großer Bedeutung für das Schloss. Deshalb wollte ich Rituale zu Tisch erforschen. Persönlich inspirierte mich die Erfahrung mit meinen Kindern, denen ich Tischmanieren beizubringen versuche. Sie sträuben sich natürlich und ich fing an mich zu fragen, weshalb wir überhaupt zum Speisen am Tisch zusammenkommen und warum dieses Ritual so wichtig ist.

 

Alice Stori Liechtenstein Foto © Federico Floriani AC: Was ist dieses Jahr anders als in den Jahren zuvor?

ASL: Ich habe das Gefühl, dass die Ausstellung dieses Jahr ausgereifter ist - wir lernen alle ständig dazu! Außerdem dürfen die Besucher*innen sich auf weitere Ausstellungsflächen freuen sowie auf zehn Ausstellungstage statt den bisherigen vier. 

AC: Wie wählen Sie die Designer*innen aus, mit denen Sie jedes Jahr zusammenarbeiten? Und was macht die diesjährige Auswahl Ihrer Meinung nach so spannend?

ASL: Ich recherchiere das ganze Jahr lang intensiv, um spannende Talente zu entdecken, mit denen ich im Anschluss zusammenarbeite. Aber auch die Designer*innen müssen Interesse zeigen und bereit sein, in einem geschichtlichen Kontext und nach einem konzeptionellen Auftrag zu arbeiten. Ein gegenseitiges Verständnis für die Kooperation ist hier ausschlaggebend.

 

AC: Erzählen Sie uns doch etwas über die Ausstellungsstücke, die präsentiert werden und von denen Sie besonders begeistert sind.

ASL: Vor allem bin ich auf vier Designer*innen sehr stolz. OS&OOS haben zwei beeindruckende Stühle entworfen und verleihen dem klassischen Konzept des Tischoberhaupts einen futuristischen Ansatz. Nel Verbeke hat wiederum eine skulpturale bogenförmige Struktur entworfen, um einen abgeschirmten Ort für meditative Teezeremonien zu schaffen. Katie Stout und Augarten konzipierten gemeinsam ein Tafelservice aus 18 bemalten Porzellantellern, auf denen einzigartige Motive zu sehen sind, die geschichtliche Gebilde wie Schleifen mit abstrakten und primitiven Formen miteinander verbinden. Diese können auf den leer gegessenen Tellern bewundert werden. Und Katie Scott hat sich mit Lobmeyr zusammengetan, um ein Set Trinkgläser zu kreieren, das jeweils eine andere Pflanzengiftart als Gravur abbildet. Die Motive folgen der Reihenfolge, in der gewöhnlich verschiedene Spirituosen zu einer Mahlzeit serviert werden. Jedes abgebildete Pflanzengift repräsentiert das Gegengift zum vorhergehenden.

OS ∆ OOS hat für Ad Mensam eine zeitgenössische Version des traditionellen Hauptstuhls für das Tischende entworfen Foto mit freundlicher Genehmigung von Alice Stori Lichtenstein

AC
: Welche anderen Höhepunkte der diesjährigen Ausstellung können Sie uns empfehlen? 

ASL: Zum ersten Mal haben wir auch ein Grafikteam und einen Fotografen unter unseren Teilnehmer*innen. In Zusammenarbeit mit Écal habe wir uns für drei Kreative entschlossen: Simone Sandahl, Kaj Lehmann und Dorothee Dahler. Sie haben die Corporate Identity für Ad Mensam entwickelt und arbeiten im Moment an unserem Ausstellungskatalog. Wir freuen uns auch sehr über die wunderbare Gelegenheit, mit regionalen und internationalen Firmen wie Logicdata, Lobmeyr, Antoine und DiSé zusammenzuarbeiten, die das Konzept des Projekts wirksam umsetzen.

AC: Überkommt Sie immer noch die Aufregung, wenn Sie zeitgenössische Arbeiten vor der prächtigen, barocken Kulisse des Schlosses sehen, oder haben sie sich an den Anblick gewöhnt?

ASL: Ich muss zugeben, dass mir das Schloss bei der täglichen Arbeit nicht mehr auffällt. Ich sehe lediglich die Treppen, die Entfernungen und die Dinge, die repariert werden müssen. Ich spüre nur Verantwortung. Aber sobald Besucher*innen da sind, merke ich plötzlich, was für ein Privileg es ist, dass ich hier wohnen darf und wieviel Schönheit mich umgibt. Daher liebe ich liebe es, Besuch zu haben!

 

 

Vielen Dank, Alice! Ad Mensam läuft von Freitag, 17. Mai bis Montag, 27. Mai 2019 im Schloss Hollenegg. Weitere Infos gibt es hier

  • Text von

    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.
  • Übersetzung von

    • Jessica Hodgkiss

      Jessica Hodgkiss

      Jessica ist Cheesecake-Enthusiastin, Kunstliebhaberin und man findet sie häufig auf Flohmärkten. Außerdem liebt sie es, Zeit in Berlins wunderschönen Parks und den Seen in der Umgebung zu verbringen. Die in München geborene Übersetzerin studiert zur Zeit Kunstmanagement im Master.

Designbegeisterte hier entlang