Tecno

Die Geschichte des italienischen Unternehmens für Industriedesign Tecno geht zurück bis zu den frühen zwanziger Jahren, als der Tischler und Polsterer Gaetano Borsani (1886 - 1955) das Atelier Borsani Varedo (später umbenannt in Arredamenti Borsani Varedo) in Varedo, Italien, gründete. In diesen frühen Jahren produzierte das Familienunternehmen edle, maßgefertigte Möbel in einem Stil, der sowohl die Art déco Bewegung, wie auch die traditionelle Künste Brianzas in der Lombardei widerspiegelte. Die Teilnahme an den Ausstellungen Mostra Internazionale di Arte Decorative in Monza brachten dem Atelier Borsani in den Jahren 1925, 1927 und 1930 Anerkennung ein.

Gaetanos Zwillingssöhne Fulgenzio und Osvaldo Borsani beteiligten sich bereits in jungen Jahren aktiv an dem Unternehmen. Noch während seines Architekturstudiums an der Beaux-Arts Accademia di Brera entwarf Osvaldo eine rationalistische Möbelsammlung namens Casa Minima und stellte diese auf der fünften Triennale di Milano 1933 vor. Das Projekt gewann eine Silbermedaille. Während der Dreißiger und Vierziger wurde das Atelier Borsani von der gesellschaftlichen Elite der Lombardei mit der Fertigung von Möbeln für große und gehobene Wohn- und Büroausstattungen beauftragt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Osvaldo mit der Idee zu liebäugeln, das Familienunternehmen von der traditionellen Handwerksproduktion zu industrieller Herstellung umzustellen, obwohl seinem Vater Gaetano dieser Gedanke nicht gefiel. Osvaldo aber hielt daran fest, modernistische Prinzipien zu nutzen, um den sich verändernden Lebensumständen der Nachkriegszeit gerecht zu werden. Zusammen mit seinem Bruder Fulgenzio gründete Osvaldo 1953 eine neue Firma: Tecno.

Tecnos erste fabrikgefertigte Sammlung an Sofas, Stühlen und Tischen erfreute sich auf der zehnten Triennale die Milano im Jahr 1954 großer Beliebtheit. Das einfache, verstellbare D70 Sofa Bed (1954) erntete großes Lob und Osvaldo ließ sich das Design sofort patentieren. Tecnos nächster großer Hit war die P40 Lounge (1956), ein verstellbarer Lehnsessel mit eingebauter Fußablage. Diese beiden Tecnoprodukte wurden zu beliebten Symbolen der goldenen Ära italienischen Designs der Moderne.

Wenngleich Osvaldo auch von den funktionalen Theorien der Pioniere des Modernismus einer Generation zuvor inspiriert wurde, so kann die Flexibilität und Vielschichtigkeit der frühesten Produkte Tecnos zu den Arbeiten von Atelier Borsani Varedo verfolgt werden. Gaetanos Erfolg beruhte auf der Kreation gut gebauter, maßgefertiger und anpassungsfähiger Möbel. Im Gegensatz hierzu war es Osvaldos Ziel, clevere Designlösungen unter die Massen zu bringen, vor allem für Bürogebäude und öffentliche Plätze wie Bahnhöfe, Flughäfen und Krankenhäuser.

1957 bekam Osvaldo seinen ersten Großauftrag für Büromöbel von dem italienischen multinationalen Öl- und Gasunternehmen ENI. Es folgten weitere solcher Großaufträge und Tecno wurde international für seine Spitzentechnologie bekannt.

Im Jahr 1968 stellte Tecno das Graphis Office System (1967) - von Osvaldo Borsani und Eugenio Gerli (geb. 1923) - auf der vierzehnten Triennale di Milano vor. Dieses wurde als Revolution im Büromöbeldesign angekündigt, denn die modularen Elemente machen unbegrenzte und individuell anpassbare Kombinationen möglich, die sich Firmenwachstum und -verkleinerung anpassen. Jahrzehntelang war das System unter Tecnos Bestellern.

Als Osvaldo sich 1970 vom alltäglichen Geschäft zurückzog und sein Schwiegersohn Marco Fantoni eine tragendere Rolle einnahm, strukturierte Tecno seine Herangehensweise um. Um die Mühe, die Tecno für die Entwicklung neuen Designs auf sich nahm, zu unterstreichen, eröffnete die Firma ihr Centro Progetti Tecno, ein innerbetriebliches Team für Kommunikation und industrielles Design. Centro Progetti Tecno sind mehrere Erfolge der Siebziger und Achtziger zu verdanken, darunter der Plastikstuhl Modus Office Chair von 1972, der 1973 den SMAU Preis gewann; das aus Stahlgewebe gefertigte Waiting System von 1983, ein modulares Sitz- und Tischkonzept für große öffentliche Räume und die Neugestaltung der Marke Alitalia worldwide (1982 - 1984), für die Centro Progetti Tecno 1984 den Compasso d’Oro erhielt.

In den Achtzigern begann Tecno mit der bis heute gängigen Beauftragung externer Designer für den Entwurf von Möbeln. Zu den Highlights gehören Norman Fosters Nomos Tables (1986), Luca Scacchettis Ianus Desk and Storage System (1988); Emilio Ambaszs Qualis Chairs (1991); Pierro Lissonis Assymetrical System (2006); Rodolfo Dordonis PONS D011 Sofa and Table System (2011); Monica Försters Archipelago D502 Seating System (2012) und Luca Scacchettis Vara T503 Tables and Storage System von 2013.

Tecno unterhält außerdem erfolgreiche Partnerschaften zu führenden Architekten, die das Unternehmen mit maßgefertigten Möbeldesigns für beachtliche Gebäude, wie das von Foster + Partners’ neu ausgestattete British Museum in London und Jean Nouvels Agbar Tower in Barcelona, beauftragt.

Nach extensiven Anpassungs- und Ausstattungsarbeiten öffnete Tecno 2008 neue Büros in den Porta Garibaldi Excise Gebäuden. Heute können viele Tecnoprodukte in Sammlungen führender Museen auf der ganzen Welt, wie das Museum of Modern Art in New York und San Francisco, dem Victoria & Albert in London, dem Pompidou Centre in Paris, der Neuen Sammlung Monaco, dem Museum of Decorative Arts in Montreal und der Triennale Milano gefunden werden.