Fredericia

Die dänische Möbelfirma Fredericia Stolefabrik wurde 1911 von N. P. Ravnsø in einer industriellen Hafenstadt mit gleichem Namen gegründet, in welcher ein Jahr zuvor die größte skandinavische Designmesse, die Nordic International Furniture Exhibition, ausgetragen wurde. Das Unternehmen und die Stadt richteten die Messe fortan noch bis 1983 aus.

Vom Beginn an setzte Ravnsø auf Qualität, um die Reputation der Marke aufzubauen, und engagierte nur die geschicktesten Kunsthandwerker, die er finden konnten. Die frühen Kollektionen von Fredericia aus den 1920er Jahren spiegelten den Einfluss reduzierter englischer und zentraleuropäischer Designs wieder. 1934 einigten sich Thonet  und Fredericia auf eine exklusive Lizenzvereinbarung für die Region Skandinaviens. Um die hohe Nachfrage bewältigen zu können, verdoppelte Fredericia seine Belegschaft. Mit der Besetzung Dänemarks durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg wurden Rohmaterialien jedoch seltener und schwieriger zu beschaffen und das Unternehmen kämpfte ums Überleben. Durch die Nachwirkungen des Krieges ging Fredericia schließlich bankrott.

1955 verkaufte die Ravnsø Familie Fredericia an den Innenarchitekten Andreas Graversen, der mit Dänemarks nationaler Designfirma, der FDB, zusammenarbeitete, um dabei zu helfen, dass sich die Wirtschaft von den Kriegsfolgen erholt. Seine erste Amtsmaßnahme war es, den FDB Manager Børge Mogensen als Chefdesigner einzustellen.

In seinen Jahren bei FDB arbeitete Mogensen zusammen mit Hans J. Wegner an der Entwicklung moderner, funktionaler und erschwinglicher Möbelkollektionen. Graversen wünschte sich Mogensens „schlichten, unverfälschten und ehrlichen“ Designansatz als zukünftige Ausrichtung für Fredericia. Das No. 1 Sofa (1955) war dabei Mogensens erster Entwurf für Fredericia. Im Folgejahr produzierte Fredericia eine Auswahl an Shaker-inspirierten Esszimmereinrichtungen von Mogensen sowie die Umsetzung einer Reihe an Entwürfen, die Mogensen ursprünglich in seiner Zeit bei FDB ausgearbeitet hatte; so zum Beispiel sein berühmtes Spindle-Back Sofa (1945) und den Hunting Chair (1950). 1958 stellte Fredericia Mogensens ikonischen Spanish Chair vor.

Mogensen arbeite noch bis zu seinem verfrühten Tod im Jahr 1972 mit Fredericia zusammen. 1980 erwarb Fredericia die Lizenzen für diverse Mogensen Designs von P. Lauritzen & Son, um Mogensens Gesamtwerk unter einer Marke zusammenführen.

In den Jahren nach Mogensens Tod schaffte es Fredericia weitere fruchtbare Partnerschaften mit renommierten dänischen Designern einzugehen. 1989 erwarb Fredericia die Rechte an einer Reihe von Wegners Entwürfen, die zuvor von Johannes Hansen umgesetzt und hergestellt wurden. In den 1990er Jahren begann Fredericia mit Nanna Ditzel  - auch bekannt als „die Königin des Dänischen Designs“ - zusammenzuarbeiten, die mit ihren innovativen Arbeiten aus Schaumstoff, Kunststoff und Rattan bekannt geworden war. Ihre Bench for Two für Fredericia (1989) gewann zahlreiche Preise in Dänemark und Japan, ein Erfolg, den sie mit Fredericias Trinidad Chair (1993) wiederholen konnte.

2014, zur Hundertjahrfeier von Mogensens Firmendebüt, brachte Fredericia zu Ehren Børge Mogensens einige seiner Entwürfe als Neuauflage auf den Markt.

Mit großer Wertschätzung der eigenen Tradition blieb Fredericia Stolefabrik in Familienbesitz und wechselte in der mehr als hundertjährigen Firmengeschichte nur einmal den Besitzer. Das Unternehmen steht seit jeher für ausgezeichnete dänische Handwerkskunst.


*Bilder mit freundlicher Genehmigung von Fredericia