Walter Dexel (1890 München - 1973 Braunschweig), Moschee, 1916. Aquarellierter Holzschnitt auf Büttenpapier, 15,5 cm x 10 cm (Darstellung), 29 cm x 22,3 cm (Blattmaß), rechts unten der Darstellung in Blei mit „WDexel 16“ signiert und auf 1916 datiert, rechts unten als Exemplar Nr. „4/30“ ausgewiesen, links unten als „Moschee“ betitelt und „handaquar.[elliert]“ bezeichnet. Werkverzeichnis Walter Vitt Nr. 3A.
- Papier leicht nachgedunkelt und außerhalb der Darstellung partiell fleckig, Darstellung in farbfrischem Zustand
- Die Expression der Architektur -
Aus schwarzen dynamischen Flächen entsteht explosionsartig eine Szenerie, aus der die Moschee emergiert. Dabei ist das steinfarbene, in sich gefügte architektonische Gebilde das eigentliche Wirkzentrum der Protuberanzen. Die blaue Lichtaura mit ihren nach außen gerichteten Strahlen durchdringt das gesamte Bild mit ihren Blautönen. Die gelbroten Farben neben der Moschee und den stilisierten Palmen gemahnen an die aufgehende Sonne und speisen ihre Energie in das dynamische Geschehen ein, während die auf die Natur bezogenen Grüntöne das Farbcrescendo ergänzen und austarieren.
Mit der innovativen Technik, den Holzschnitt farblich zu aquarellieren intensiviert Walter Dexel die Szenerie, die mit der aufstrahlenden Moschee innerhalb des Farb- und Formengewitters zugleich eine Ikone der expressionistischen Architekturvisionen ist. Durch die Aquarellierung ist jedes Exemplar des Holzschnitts zugleich ein Gemälde und als solches ein Unikat.
zum Künstler
Walter Dexel studierte von 1910 bis 1914 Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Heinrich Wölfflin und Fritz Burger. Parallel dazu besuchte er eine Zeichenschule und begann sich künstlerisch zu betätigen. Er unternahm Studienreisen nach Italien und Paris. 1916 promovierte er an der Universität Jena und neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit arbeitete anschließend bis 1928 als Ausstellungsleiter des Jenaer Kunstvereins, wo er moderne Kunst förderte und wichtige Ausstellungen organisierte. Er erwarb unter anderem Werke von Alexander Archipenko, Alberto Giacometti, Erich Heckel, Paul Klee, Oskar Kokoschka und Emil Nolde und organisierte Dada-Abende und Ausstellungen von Expressionisten, Bauhaus-Künstlern, Realisten und Konstruktivisten.
Ab 1926 war Dexel freiberuflich als Grafiker und Designer in Frankfurt am Main tätig und gestaltete Reklame und Typografie, unter anderem für das Projekt Neues Frankfurt unter Ernst May. Von 1928 bis 1935 lehrte er Gebrauchsgrafik und Kulturgeschichte an der Kunstgewerbeschule Magdeburg. Später war er Professor für theoretischen Kunst- und Formunterricht in Berlin und baute ab 1942 in Braunschweig eine bedeutende Sammlung von Gebrauchsgegenständen auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine Lehr- und Forschungstätigkeit fort und widmete sich ab 1961 wieder verstärkt der Malerei.
ENGLISH VERSION
Walter Dexel (1890 Munich – 1973 Braunschweig), Mosque, 1916. Watercolor woodcut on handmade paper, 15.5 cm x 10 cm (image), 29 cm x 22.3 cm (sheet size), signed “WDexel 16” in pencil at the lower right of the image and dated 1916, identified as copy no. “4/30” at the lower right, titled “Mosque” at the lower left, and marked “hand-watercolored.” Walter Vitt catalogue raisonné no. 3A.
- Paper slightly darkened and partially stained outside the image; image in fresh-colored condition
- The Expression of Architecture -
From dynamic black planes, a scene emerges explosively, from which the mosque rises. The stone-colored, cohesive architectural structure is the actual focal point of the protrusions. The blue aura of light, with its outward-directed rays, permeates the entire image with its shades of blue. The yellow-red colors next to the mosque and the stylized palm trees evoke the rising sun and feed their energy into the dynamic action, while the nature-inspired green tones complement and balance the color crescendo.
Using the innovative technique of applying watercolor to the woodcut, Walter Dexel intensifies the scene, which—with its radiant mosque set against a storm of color and form—is also an icon of Expressionist architectural visions. Thanks to the watercolor application, each copy of the woodcut is simultaneously a painting and, as such, a unique piece.
About the Artist
Walter Dexel studied art history at Ludwig Maximilian University in Munich from 1910 to 1914 under Heinrich Wölfflin and Fritz Burger. At the same time, he attended a drawing school and began to pursue artistic activities. He undertook study trips to Italy and Paris. In 1916, he earned his doctorate at the University of Jena, and in addition to his own artistic work, he subsequently served as exhibition director of the Jena Art Association until 1928, where he promoted modern art and organized important exhibitions. Among other things, he acquired works by Alexander Archipenko, Alberto Giacometti, Erich Heckel, Paul Klee, Oskar Kokoschka, and Emil Nolde, and organized Dada evenings and exhibitions featuring Expressionists, Bauhaus artists, Realists, and Constructivists.
Starting in 1926, Dexel worked as a freelance graphic artist and designer in Frankfurt am Main, creating advertisements and typography, including for the “New Frankfurt” project under Ernst May. From 1928 to 1935, he taught commercial art and cultural history at the School of Applied Arts in Magdeburg. Later, he served as a professor of theoretical art and form in Berlin and, beginning in 1942, built up a significant collection of everyday objects in Braunschweig. After World War II, he continued his teaching and research activities and, starting in 1961, devoted himself once again more intensively to painting.
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