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Form&Seek stellt der Designwelt einen gemeinsamen Raum zur Verfügung


Die Futuristen—Teil 3

Von Anna Carnick

Zur Feier der 2017er Ausgabe des Salone del Mobile – und während die Design-Community gespannt erwartet, was es dieses Jahr Neues gibt – stellt Pamono in dieser 5-teiligen Serie aufstrebende Stimmen vor, die neue Denkanstöße im Design versprechen. In dieser Folge portraitieren wir Form&Seek, ein internationales Kollektiv, das „von Designern für Designer“ geschaffen wurde. 

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Tatsächlich ergab sich das Ganze ziemlich natürlich. 2013 organisierten drei junge, in London ansässige Designer—Bilge Nur Saltik, Golnar Roshan, and Ruben de la Rive Boxfür sich und eine Handvoll Freunde eine Gruppenausstellung auf der Istanbul Design Week. Die Ausstellung mit dem Titel No Borders präsentierte Objekte von neun frischen Absolventen des Royal College of Art aus neun unterschiedlichen Ländern und spiegelte den wunderbar diversen Charakter der heutigen Designszene wieder, während gleichzeitig der individuelle kulturelle Hintergrund jedes Designers zelebriert wurde. Damals drückten die Organisatoren es so aus: „Wir glauben daran, dass Design eine internationale Sprache ist, die Grenzen überschreitet und Menschen durch Kreativität verbindet.“

Von links: Ruben de la Rive Box, Bilge Nur Saltik und Golnar Roshan Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Form&Seek Es war eine einfache und trotzdem kraftvolle Botschaft und setzte den Ton für das, was folgen sollte. „Es fing einfach damit an, dass eine Gruppe an Freunden zusammenkam, um ihre Arbeiten auszustellen“ erinnert sich de la Rive Box. „Wir stellten schnell fest, dass es viele Vorteile hat zusammen auszustellen; Ausstellungsflächen wurden bezahlbar, wir konnten mehr Menschen erreichen als es jeder für sich geschafft hätte und vor allem hatten wir viel Spaß dabei.“

Im darauffolgenden Jahr gründete das Trio offiziell Form&Seek, ein Designkollektiv bestehend aus jungen, vielfältigen Talenten—vereint durch eine Leidenschaft für experimentelles, funktionales und poetisches Design—welches seitdem zu einem der aktivsten aufstrebenden Akteure der heutigen globalen Designszene geworden ist. Das Kollektiv wuchs schnell und weitete sich innerhalb weniger Jahre von einer Handvoll zu schätzungsweise 80 Nachwuchsdesignern aus der ganzen Welt aus. Seit der Gründung hat Form&Seek Ausstellungen auf den größten Designevents präsentiert—darunter die letzten drei Mailänder Design Weeks und das London Designs Festival—wobei jedes Mal neue Arbeiten der Kollaborateure gezeigt werden.

Während Form&Seek eindeutig eine Lücke gefüllt hat, indem es jungen Talenten die dringend benötigten Bühnen und Netzwerke bereitstellt, bietet das Kollektiv den Teilnehmern außerdem eine größere Bestimmung, die verbindet. Indem es seinen Raum als eine einladende, vielfältige und positive Präsenz gestalten, setzt es sich gleichzeitig für Nachwuchsdesigner und für die Fähigkeit von Design ein, zu inspirieren und zu verbinden—eine Haltung, die sowohl bei Designern als auch der Designcommunity insgesamt Nachhall gefunden hat.

„Es erlaubt uns, einen Platz in der Designcommunity einzunehmen, indem wir unseren eigenen Kontext und unser eigenes Umfeld entwerfen,“ erzählt uns Roshan. „Wir lieben es, das zu tun, weil es eine Möglichkeit ist, neue Designer auf der ganzen Welt kennenzulernen und sie zusammenzubringen. In einer Zeit, in der sich viele Menschen in Abgrenzungen zurückziehen und Nationalismus und Sektierertum wachsen, möchten wir eine Plattform sein, die offen ist für talentierte Designer jeden Hintergrunds, die sich für die Fähigkeit von Design als Treiber von Veränderung, Vielfältigkeit und Einheit interessiert.“

Der interaktive Dispersion Spiegel von Nila Rezai ist vom Klimawandel inspiriert Die Tatsache, dass die Gründer von Form&Seek selber Designer sind, scheint eine große Rolle bei ihrem wachsenden Erfolg zu spielen. Wie sie sagen, ist Form&Seek ein Projekt „für Designer von Designern.“ „Weil wir in den Ausstellungen unsere eigene Arbeit zeigen, sind wir sehr nah am Kern von dem, was Form&Seek sein sollte,“ erklärt de la Rive und fährt fort: „Das Grundprinzip von Form&Seek ist, die Kraft des Vielfachen zu nutzen, um Individuen voranzubringen. Wir versuchen Leute mit unterschiedlichen Hintergründen und aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenzubringen, damit sie sich kennenlernen können und voneinander lernen und profitieren. Unsere Mission ist es, dass jeder einzelne Form&Seeker dadurch, dass das Kollektiv gestärkt wird, Erfolg hat.“

Sie haben eindeutig eine große Fülle an Begabung angesammelt, darunter unter anderem aufstrebende Talente wie Pia Wustenberg, Jules Waibel, Dafi Reis Doron, Guillaume Neu-Rinaudo, Birgit Severin, Sarah Colson, Elinor Portnoy und Lina PatsiouUnd es scheint als würde ihre neueste Ausstellung Age of Man, welche während der Mailänder Design Week 2017 im Ventura Lambrate eröffnet, ihr bislang aufregendstes —und vielleicht auch anspruchsvollstes— Projekt werden.

„Die direkte Inspiration kam von einem Artikel über das Anthropozän, welches eine vorgeschlagene Epoche ist, die den Zeitabschnitt des signifikanten menschlichen Einflusses auf geologische Prozesse auf der Erde umfasst,“ erklärt de la Rive Box. „Das rief ein Verlangen hervor, das wir schon länger hatten. Wir wollten den Ausstellungen über die individuellen Arbeiten hinaus eine tiefere Bedeutung geben und etwas Verantwortung übernehmen, wie wir als Menschen mit unserer Umwelt und dem Planeten umzugehen haben. Kurz nachdem wir das Thema gewählt hatten, passierten große Ereignisse—das Brexit-Referendum und die Wahl Trumps—die uns deutlich zeigten, dass das Thema noch relevanter ist als wir [ursprünglich] dachten. Der Anstieg von konservativem Denken und engstirnigem Populismus in der westlichen Welt ist wirklich das Gegenteil von dem, was die Welt braucht. Wir hoffen als Designer Menschen dazu inspirieren zu können, progressive Problemlösungen zu betrachten und auf Kreativität und Innovation zur Behebung unserer Probleme zu vertrauen—anstelle von Spaltung und Egoismus.“

Poster für die neue Ausstellung von F&S Age of Man wird bereits existierende Designs und Kunstwerke sowie neue, speziell für die Ausstellung von der bislang größten Anzahl an Designern des Kollektivs entworfene Stücke, zusammenbringen. Das Projekt umfasst „unerwartete Materialien—wie menschliches Haar und skulpturale Objekte, die dem zeitlosen und inhärent nachhaltigen Material Terrazzo neues Leben einhauchen. Mehrere der Designs untersuchen die Beziehung zwischen sich rasant entwickelnder digitaler Herstellung und Handwerk; während andere zu alten Ritualen und Theorien primitiver Architektur zurückkehren und Inspiration daraus ziehen.“ Letztendlich ist auch hier das Ziel Menschen zusammenzubringen—sowohl die Schöpfer als auch die Zuschauer—dieses Mal jedoch, um über die Rolle des Designs in unserer gemeinsamen Zukunft nachzudenken. Und genau wie in der ersten Ausstellung auch, wird der Gedanke, dass Design die Fähigkeit besitzt, Grenzen zu überschreiten, überall zu finden sein. Das Form&Seek-Team stellt fest: „Objekte haben die Kraft, bedeutende Botschaften und neue Arten, die Welt zu betrachten, zu kommunizieren.“

Wer nächste Woche in Mailand ist, sollte sicher gehen, sich Age of Man zwischen dem 4. und 9. April 2017 im Wheelshop im Ventura Lambrate anzusehen. Und wer es nicht nach Mailand schafft, hat auch keinen Grund zu verzweifeln. Denn mehr Informationen und den inspirierenden Katalog des Kollektivs gibt es hier.

* Sehen Sie sich auch die anderen Stories in unserer neuen „Futuristen“-Serie an! Darunter sind Portaits der Camp Design Gallery und der Kuratorin Annalisa Rosso und kommende Texte zu der Galerie Broached Commission und der Kuratorenplattform Connecting the Dots zu finden.

  • Text by

    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.

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