In der neuen Kooperation Telami x Odeeh trifft Mode auf Möbel


Ewiger Sommer

Von Emma Lucek

Kunst beeinflusst Mode. Oder ist das Gegenteil der Fall? So oder so sind beide Disziplinen eng miteinander verbunden, stehen gemeinsam in Galerien zur Schau oder winken einander auf dem Laufsteg zu. Auch die Welt der Innenarchitektur bleibt von dieser Beziehung nicht unberührt.

Eines der besten Beispiele dafür ist wohl die von Virgil Abloh entworfene Kollektion für IKEAAbloh ist der neu ernannte künstlerische Leiter für Herrenbekleidung bei Louis Vuitton. Für IKEA kleistert Abloh seine bekannten Designmotive auf die kultigen Einkaufstaschen und Teppiche des schwedischen Möbelgiganten. Aber die Kombination von Innenarchitektur und Mode kann auch viele neue Facetten hervorbringen und Eleganz offenbaren.  

Ein Beispiel dafür ist die jüngste Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Modelabel ODEEH und der italienischen Möbelmarke Telami, unter der kreativen Leitung von Leo Prusicki. Die zweiteilige Präsentation, die zu einer Hälfte aus Möbelinstallation und zur anderen aus einer Modenschau besteht, fand erstmalig parallel zum Berliner Mode Salon im Juli im großen grünen Garten des Schinkel Pavillons statt. Otto Drögsler und Jörg Ehrlich von ODEEH übertrugen hierfür ihr elegantes, verspieltes Textildesign auf den modernisierten, klassischen Butterfly Chair von Talami. Im Vordergrund stehen dabei Qualität, Handwerkskunst und ein kühner Stil.

Im Grünen bewundert ein begeistertes Publikum das gelungene Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Marken: Etwa 20 der Tripolina Sessel von Telami sind in einem abgetrennten Bereich verschieden ausgerichtet und bestechen durch ihre elegante Form und ausgefallene Farbgebung. Als ich Otto Drögsler nach der Präsentation erwische, erklärt er mir wo seine Inspiration für die Drucke herrührt„Wir wollten mit dem hawaiianischen Druck und dem Gedanken eines ewigen Sommers spielen.“

Diese von der Insel Hawaii inspirierten Muster bilden die Grundschicht der mit Blumen  und organischen Formen bedruckten Textilien. Typisch für ODEEH ist die Überlagerung klarer, grafischer Muster. Dieser Prozess erinnert absichtlich an die von Gio Pontis verwendeten kühnen Formen der 1950er, erklärt Otto, der den Stoff optisch mit kräftigen Farbschichten gestaltet und dabei auch inhaltlich mit geschichtlichen Dimensionen auflädt.

Als elektronische Musik zu spielen beginnt, öffnet sich die Hintertür zum Kronprinzenpalais. Heraus treten schlanke Models, eine hinter der anderen. Auf den Stufen des Gebäudes kommen sie schließlich zum Stehen und holen sich einen heftigen Applaus der Zuschauer ein. Als sie die Treppe hinabsteigen und am Rand des abgegrenzten Bereiches entlang laufen verwandelt sich die Rasenfläche in einen Laufsteg. Die Versammelten wedeln im heißen Sommerwetter mit ihren Fächern und dokumentieren das Ereignis für ihre eifrigen Follower auf Instagram. Im Rahmen ihres choreografierten Walks bleiben die Models vor diversen Sesseln stehen oder setzen sich und bieten dem Publikum einer der bestgekleidetsten Versionen der Reise nach Jerusalem, die ich jemals miterleben durfte. Die aktuelle Kollektion von ODEEH, die die Models tragen, spiegelt sich in den Bezügen der Sessel wieder. Die Kleidung der Models wirken wie dezente Versionen der Sesselbezüge, deren Musterung in Italien auf strapazierfähigem Leinen gedruckt wird. Aus den strukturierten, maßgeschneiderten Westen bauschen voluminöse, durchsichtige Ärmel heraus. Einige Muster wiederholen sich während andere nur einmal vorkommen. Die beiden Kollektionen nehmen stark aufeinander Bezug.

Die Präsentation Telami x Odeeh am Schinkel Pavillon während der Berlin Fashion Week Foto © Pedro Gething für Pamono Die zwei Kollektionen zeugen davon, dass die dynamische Eigenschaft eines Kleidungsstücks sich auch auf Sessel übertragen lässt. Otto erklärt, dass der Gestaltungsprozess mit einem Stoff, der sich im Raum bewegen soll, nicht grundverschieden zu einem ist, bei dem sich der Stoff mit dem Körper bewegt. Diesem dreidimensionalen Denken zufolge sind auch die Rückenlehnen der Sessel mit lebendigen Drucken verziert. Diese Sessel sind eindeutig keine Mauerblümchen.

Das ganze Team von Talami ist sehr aufgeregt, denn die Möglichkeiten der Zusammenarbeit sind endlos, erzählen mir Leo Prusicki und seine Kollegin Carola Rho auf der Präsentation. Dieses Jahr stellen sie während des Salone del Mobile in Mailand  gemeinsam mit der Mailänder Designerin und Galeristin Rossana Orlandi aus, der als einer der führenden Größen in der Designwelt gilt. Orlandi entwarf eine Kollektion mit den Director Chairs von Telami, indem er sie mit Stoffen der Marke Dedar einkleidet, sodass sie in einer bunten Mischung aus verschiedenen einzigartigen Geweben, wie Karo und Hahnentritt oder Baumwoll-Jacquard erstrahlen.

Für das Team von Telami ist die Zukunft so rosig wie der sommerliche Abendhimmel. Und ihre Suche nach Modedesigner*innen und Innenarchitekt*innen, die sich mit unendlichen Variationen von Texturen, Farben und Materialien austoben möchten, geht weiter. Eine gewisse Verspieltheit ist Voraussetzung, um die Identität und den Lebensstil der Menschen, die die Produkte Telamis erwerben, zu verstehen. Und schließlich ist alles machbar. (Sogar eine exklusive Kollektion für Pamono. Bleiben Sie dran....)

 

  • Text von

    • Emma Lucek

      Emma Lucek

      Die England geborene Emma hat polnische Wurzeln und lebt momentan in Berlin. Mit ihren Erfahrungen im Bereich Forschung und Design findet sie nicht nur tolle neue Händler*innen für Pamono, sondern schreibt seit kurzem auch kritische Texte über Kunst, Architektur, Kulturgeschichte und natürlich Design.
  • Fotos von

    • Pedro Gething

      Pedro Gething

      Unser Multitalent Pedro ist immer voller guter Ideen und von seiner Wahlheimat Berlin ganz begeistert.. Als portugiesisch-britischer Fotograf mit einem Abschluss in Design, ist er von Natur aus neugierig und stillt seinen Wissensdurst, indem er die Welt bereist. Ist er also nicht in unserem Büro anzutreffen, um unsere Fotos zu bearbeiten, ist er ganz bestimmt auf Entdeckungstour.

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