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Camp Design Gallery entwirft Sammlerstücke zwischen Konzept und Funktionalität


Die Futuristen—Teil 1

Von Wava Carpenter

Zur Feier der 2017er Ausgabe der Salone del Mobile – und während die Design-Community gespannt erwartet, was es dieses Jahr Neues gibt – präsentiert Pamono stolz eine fünfteilige Serie zu den aufstrebenden neuen Stimmen. Als Auftakt portraitieren wir Beatrice Bianco und Valentina Lucio, die Gründerinnen und Kuratorinnen hinter Mailands innovativer Camp Design Gallery. 

 

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 „‚Art furniture’(‚Kunstmöbel’) ist eine furchtbare Bezeichnung“ schreibt Matthew Sullivan, Designer aus LA, in einem kurzen Essay zu dem radikalen Künstler/Designer Ugo La Pietra. „Er beinhaltet die Annahme, dass die beschriebenen Stücke weder wirklich Kunst noch Möbelstück sind – entweder ist die Kunst zu sehr für das gemeine Volk oder die Möbel sind zu ambitioniert.“ Was Sullivan hier so hervorragend darstellt ist, dass uns trotz jahrzehntelanger Übung Worte immer noch im Stich lassen, wenn wir versuchen, diese Zwischen-Objekte zu beschreiben. Alles, was wir an Vokabular benutzen, um Dinge zu bezeichnen, die sowohl angewendet als auch betrachtet werden können, scheint dazu verurteilt in vorurteilsbehaftete Hierarchien aus vergangenen Zeiten zu verfallen, als dekorativ zum Schimpfwort wurde und Kunst keinen anderen Zweck mehr erfüllte als Kunst zu sein.

Wenn es etwas gibt, wofür die italienischen Galeristinnen Beatrice Bianco und Valentina Lucio brennen, dann ist es ihr Wunsch sich von solch veralteten Paradigmen zu befreien. Das Duo legt seinen Schwerpunkt auf schwer erklärbare Möbel, Beleuchtung und dekorative Objekte und hat dabei eher gebildete Sammler als den Massenmarkt im Blick. In dieser exklusiven Welt arbeiten sie seit Jahren, zunächst als Assistentinnen anderer fähiger Galeristen und seit 2015 selber als Galeriebetreiber. Bianco und Lucio wählten den Namen „Camp“ gerade weil sie sich für zeitgenössisches Design interessieren, das ein Gefühl des Theatralischen, furchtlos Urbanen – in ihren Worten „ironischer Dandyismus“ – vermittelt. Sie sind bestrebt, Designer, Künstler, Architekten und Kunsthandwerker bei ihrer Recherche zu unterstützen, egal welche Form das Endresultat schließlich annimmt. Je einzigartiger desto besser. Für sie ist es genau das, was an zeitgenössischem Design am aufregendsten ist.

Mit einem multidisziplinären Hintergrund beziehen Bianco und Lucio ihre Inspiration aus einer Vielzahl an Quellen; von den anonymen griechischen Keramikern, die als die Dipylon-Maler bekannt sind, bis hin zu dem amerikanischen minimalistischen Künstler Donald Judd. In ihrem Heimatland sind es der zuvor genannte Ugo La Pietra, der auf einem Spektrum von Kunst, Architektur, Design und Wissenschaft arbeitet, und andere Pioniere der italienischen „art furniture“ des späten 20. Jahrhunderts, wie Annibale Oste und Riccardo Dalisi, die ihnen als aufschlussreiche Vorbilder dienen. Betrachtet man ihre geteilte Verehrung von Handwerkskunst und ihr Engagement mit erfahrenen Kunsthandwerkern zu arbeiten, wird die Verbindung zwischen Oste und der Camp Design Gallery besonders deutlich.

Innerhalb kurzer Zeit haben Bianco und Lucio eine einzigartige und beeindruckende Liste an Kollaborateuren zusammengestellt, unter ihnen der amerikanische Künstler David Lindberg, der österreichische Designer Felix Muhrhofer, das italienische Architektur-Design Studio Analogia Project und der selbsternannte israelische „Designtist“ (designer + scientist, (Designer + Wissenschaftler)) Omer Polak. Es ist definitiv kein Ort, an dem man das Immergleiche vorfindet. Und die Produktionsqualität ist ungewöhnlich hoch. Obgleich die Entwürfe von einer großen Anzahl internationaler Talente stammen, werden die letztendlichen Werke normalerweise in Handarbeit in Italien oder Polen von Experten auf das jeweilige Material spezialisierten Experten hergestellt.

„Wir lieben es, eine Brücke zwischen Kunsthandwerkern und Künstlern zu bilden“ erklärt Lucio. „Diese beiden Welten sind viel zu häufig zu verschieden und zu sehr voneinander getrennt. Was wir tun ist sie zu verbinden, damit der Künstler eine manuelle Sprache angemessen ausdrücken und in engem Kontakt mit den jeweiligen Materialien stehen kann.“

Wir sehen die Rolle der Galerie darin, als Inkubator für neue Ideen zu fungieren. „Wir sehen die Rolle der Galerie darin, als Inkubator für neue Ideen zu fungieren,“ fügt Bianco hinzu. „Das Resultat ist zeitgemäßes sammelwürdiges Design, das eine Dialektik zwischen Konzept und Funktionalität ausdrückt. Jedes der Projekte konzentriert sich darauf, durch eine persönliche Interpretation zeitgenössischer Ästhetik eine Geschichte zu erzählen. Auf diese Art arbeiten wir daran, neue Räume für Design zu schaffen, in denen es die Vernetzung und Komplexität der heutigen Welt tatsächlich spiegelt.“

Zusätzlich zu ihrem Ausstellungs- und Verkaufsprogramm fungiert die Camp Design Gallery außerdem als Beratungsagentur für junge Designer, die gerade erst beginnen, sich auf dem Feld zu orientieren. „Parallel zu den Galerie-Aktivitäten haben wir eine Art Coaching- und Orientierungsservice mitsamt einer persönlichen Analyse des Portfolios kreiert,“ sagt Bianca, „um jungen Talenten dabei zu helfen, die Komplexität des heutigen Design-Panoramas besser anzugehen. Wir machen ihnen Vorschläge bezüglich Produktion, Image, Strategie, Werbung, Zusammenarbeiten und mehr.“

Nach Abschluss einer Ausstellung neuer Beleuchtungsobjekte des italienischen Künstlers Paolo Gonzato – bestehend aus wunderbar glänzenden, geriffelten Glasstücken – bereiten sich Bianco und Lucio nun auf ihr nächstes Salone Projekt vor. Sie haben sich mit Kurator und Schriftsteller Marco Sammicheli (eine weitere strahlende neue Stimme zeitgenössischen Designs) zusammengeschlossen, um eine neue Kollektion des Londoner Designers Adam Nathaniel Furman zu lancieren. Obwohl noch keine Bilder veröffentlicht wurden, verspricht die Ausstellung ein visuelles Fest zu werden und gleichzeitig einfache, vertraute Definitionen von Design in Frage zu stellen. Wer während der Design Week in Mailand ist, sollte sicher gehen, diese Ausstellung auf die Must-See-Liste zu setzen.

 

*Halten Sie Ausschau nach den nächsten Stories in unserer Futuristen-Serie, in denen die Arbeiten des Design-Kollektivs Form & Seek, Redakteur und Organisator David Heldt von Connecting the Dots, künstlerischer Leiter Lou Weis von Broached Commission, sowie Kuratorin Annalisa Rosso.im Mittelpunkt stehen.

  • Text by

    • Wava Carpenter

      Wava Carpenter

      Seit ihrem Studium in Designgeschichte an der Parsons School of Design hatte Wava schon in vielen Bereichen der Designkultur den Hut auf: sie lehrte Designwissenschaft, kuratierte Ausstellungen, überwachte Auftragsarbeiten, organisierte Vorträge, schrieb Artikel und erledigte alle möglichen Aufgaben bei Design Miami. Wava lässt den Hut aber im Büro – auf der Straße bevorzugt sie ihre Sonnenbrille.

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