Werkstätte Carl Auböck

Die Werkstätte Carl Auböck, die vier Generationen an Auböcks zurückreicht, wurde ursprünglich im Jahr 1912 als Metallwerkstatt von Karl Heinrich Auböck (1872-1925) gegründet. Sie war sehr berühmt für die Produktion der „Wiener Bronzen”, den im frühen zwanzigsten Jahrhundert sehr beliebten Miniaturfiguren und -statuen aus Bronze, wie auch für ihre charakteristischen modernen Accessoires in der Mid-Century-Periode.

Carl Auböck II (1900-1957) war ein österreichischer Designer, der sich in den frühen 1900ern in der Werkstatt seines Vaters im Bronzeschmieden und im Gravurhandwerk ausbilden ließ. Anschließend wandte er sich der Bildenden Kunst zu und studierte unter dem expressionistischen Schweizer Maler und Designer Johannes Itten Malerei an der Bauhaus-Akademie in Weimar. Er graduierte im Jahr 1921. Kurz darauf heiratete er die Bildhauerin Mara Utschkunova. Ein Jahr später wurde ihr gemeinsamer Sohn Carl Auböck III (1924-1993) geboren. Mit der Erbschaft des Familienunternehmens nahm der junge Vater 1926 eine neue Rolle an. Für seine Bronzeskulpturen bediente er sich dem überschwänglichen und glamourösen Art Déco Stil, bevor er sich mehr der klassischen Moderne zuwandte und das Material Kupfer in die Auböck-Kollektion mit aufnahm. Er malte weiterhin und entwickelte einen abstrakten Stil, der bei Kritikern und Kunden so beliebt war, dass das Vermächtnis des Carl Auböck II als Beitrag zur Bildenden und zur Dekorativen Kunst gilt.

Sein Sohn Carl III hingegen war vom Industriedesign fasziniert. In den Fünfzigern studierte dieser Architektur in den Vereinigten Staaten und freundete sich mit Designgrößen der klassischen Moderne, wie Charles and Ray Eames, Benjamin Thompson, George NelsonHerbert Bayer und Walter Gropius an. Bei seiner Rückkehr nach Wien unterrichtete Carl III seinen Vater über diese Bewegung, die die Designindustrie revolutionierte. Die Zusammenarbeit der beiden lief hervorragend. Sie entwarfen eine Menge unkonventioneller, doch zur gleichen Zeit hochfunktionaler Kunstobjekte, darunter Briefbeschwerer, Aschenbecher, Korkenzieher, Flaschenverschlüsse, Stehlampen, Garderobenständer und Schuhlöffel. Carl II wagte sich einen Schritt über die „Wiener Bronzen”, die Wahrzeichen seines Vaters, hinaus und bemalte und polierte das Kupfer in seinen Skulpturen und verlieh ihnen damit einen Kontrast und Charakter, der sie von anderen zeitgenössischen Bronzearbeiten abhob. Darunter waren zum Beispiel die Figuren Optimist/Pessimist und Man with Cane (beide aus den Fünfzigern).

Carl II verstarb im Jahr 1957 und vermachte die Werkstatt seinem Sohn Carl III, der dem Familienunternehmen internationale Bekanntheit verschaffte. Er arbeitete mit den Luxusmarken Hermès und Pierre Cardin zusammen. Die Früchte dieser Kollaboration wurden von Warenhäusern und internationalen Händlern wie Tiffany & Co., Saks Fifth Avenue und Bloomingdales in New York, Ginza Shiseido in Tokio, Harrods in London und Christofle in Paris zum Kauf angeboten. Mittlerweile wird das Unternehmen von Carl Auböck IV und seiner Frau Justine geführt. Es befindet sich in dem originalen Wiener Stadthaus und bringt bis heute klassische und zeitgenössische Produkte hervor.