Ercol

Der britische Möbelhersteller Ercol produziert seit den 1920ern Qualitätsmöbel aus Holz und spezialisiert sich dabei besonders auf Stühle und Möbel aus bentwood

Im Jahr 1889 zog der in Italien geborene Lucian Ercolani (1888 - 1976) mit seinen Eltern nach England. Die Familie ließ sich im Osten Londons nieder. Sein Vater, der Bilderrahmen für die Uffizi Galerie in Florenz baute und eine Beschäftigung als Schreiner für die Heilsarmee in London angenommen hatte, drängte Ercolani, in seine Fußstapfen zu treten. Ercolani studierte Zeichnung und Design am Shoreditch Technical Institute, bevor er die City & Guild-Prüfungen in der Theorie und in Möbelbau ablegte. 1907 fertigte er sein erstes Möbelstück, ein Musikkabinett, an. In der Schule traf er auf Ted Gomme, den Mann, der später Mitgründer von G-Plan werden sollte, und die beiden entwickelten eine lebenslange Freundschaft, die ihre bis 1920 andauernde Zusammenarbeit lange überlebte.

1910 wurde Ercolani von dem einflussreichen Harry Parker in High Wycombe von Frederick Parker Furniture - später bekannt als Parker-Knoll  - eingestellt. Zehn Jahre später gründete Ercolani mit der Hilfe lokaler Geschäftsmänner Furniture Industries in High Wycombe in Buckinghamshire - die Firma, aus der später Ercol wurde. Sein Ziel war es, gründlich entworfene Möbel, gebaut von begabten Handwerkern, die ihre Arbeit mit Stolz ausführten, zu produzieren. Diese Herangehensweise war genau das Richtige für das Unternehmen, das im Jahr 1932 expandierte, als es den Stuhlhersteller Walter Skulls Ltd., eine Firma, die zwar am Kämpfen, aber dennoch gut angesehen war, kaufte.

Wie viele britische Unternehmen unterstützte auch Ercol den Kriegseinsatz und produzierte täglich 25.000 Zeltpflöcke, während beide Söhne Lucians, die im Familienunternehmen mitarbeiteten, an der Front kämpften. 1944 erhielt Ercol einen Großauftrag für die Herstellung von 100.000 günstigen Windsor Stühlen für das Handelsministerium. Ercol fand einen neuen Weg, das Holz der Ulme zu nutzen - eine natürliche Ressource im Wald von High Wycombe, das auf Grund seiner widerspenstigen und brüchigen Art stets vernachlässigt wurde. Mit einer speziellen Technik und neuem Maschinenwerk gelang es Ercol, die Ulme in ein wunderschönes Produkt zu verwandeln. Der Prozess begann zunächst mit dem natürlichen Austrocknen des Holzes, indem man es ein bis zwei Jahre draußen lagerte, um es dann zu darren - ein Vorgang, bei dem Holz in einem großen, geschlossenen Raum gedämpft wird. 1947 gab es die ersten Stücke der Windsor Collection, die Ercol ein Jahr zuvor auf der Britain Can Make It Ausstellung im Victoria & Albert Museum  in London ausgestellt hatte, zu kaufen. Der britische Markt nach dem Krieg war wie gemacht für Ercols Kollektion an massenproduzierten Möbeln, denn er verlangte nach kleineren Objekten mit einfacheren Linien als die eher sperrigen Stücke der Vorkriegszeit.

Im Laufe der Jahre arbeiteten viele Designer mit Ercol zusammen, darunter unter anderen Tomoko Azumi, Floris van den Broecke, Dylan Freeth, Matthew Hilton, Paola Navone, Russel Pinch, James Ryan und Lisa Gould. Zu den kultigsten Stücken gehören der Loveseat (1956), die Studio Couch (1956), der Butterfly Chair (1958), Evergreen (1957) und Jubilee (1980) des Designers Don Pedel.

Im Jahr 2002 zog das Unternehmen nach Princes Risborough, Buckinghamshire. Dem umweltfreundlichen und nachhaltigen Unternehmen, das von Abfallholz betrieben wird, wurden viele Preise für seine Architektur, sein Design und seine Bemühungen im Umweltschutz verliehen. Mehrere Male war Ercol auch der Gewinner des Design Guild Mark Awards für verschiedene Möbeldesigns, wie auch der Manufacturing Guild Mark (MGM), verliehen von der Worshipful Company of Furniture Makers 2013. Bis heute produziert das Unternehmen Möbel, eine Seltenheit unter den Möbelherstellern der Nachkriegszeit. Sowohl zeitgenössische, als auch neue Auflagen der Klassiker sind beliebt und selbstverständlich halten die beliebten Vintage Stücke Ercols, die zu einem Synonym britischen Designs geworden sind, dem Test der Zeit weiterhin Stand.

*Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung Ercol