Bitossi

Als Nachkomme einer langen, langen Reihe toskanischer Keramikhersteller eröffnete Guido Bitossi 1921 seine eigene Keramikwerkstatt in Montelupo nahe Florenz. Ursprünglich „Manifattura Ceramica Cav. Guido Bitossi & Figli” (Keramikmanufaktur Guido Bitossi & Söhne) genannt, wurde der Name später zu „Bitossi Ceramiche” abgekürzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Meisterkeramiker Aldo Londi (1911 - 2003) zum Kreativdirektor Bitossi Ceramiches und blieb länger als fünfzig Jahre in dieser Position. Londi, der selbst auch aus Montelupo stammte, begann bereits im Alter von elf Jahren mit Keramikarbeiten und brachte weitreichende Erfahrung in traditioneller Keramikproduktion mit. Seine Kollektion Rimini Blu (1955 - 1965) ist seine bekannteste Arbeit. Diese kultige Reihe der modernen Jahrhundertmitte umfasst mehr als 150 Designs, darunter Schüsseln, Vasen, Krüge und Tierfiguren, die alle in lebendigem Blau erstrahlen und geprägt sind von abstrakten Motiven und Formen. 1955 kreierte Londi das erste Stück der Reihe, die Ball Vase. Kurz darauf, 1959, fuhr er fort, weitere Stücke in dem eigentümlichen farbigen Glanz zu schaffen. Diese Kollektion ist von geschichtlicher Wichtigkeit, denn sie verhalf handverarbeiteten und expressiven Werken in den modernistischen Designdiskurs in Italien zu kommen. Obwohl das Blau nicht die einzige Farbe war, die Bitossi favorisierte, so wurde es doch eng mit der Markenidentität in Verbindung gebracht. Die Kollektion wird heute noch produziert und von Keramikliebhabern gesammelt.

Londi und Bitossi arbeiteten außerdem erfolgreich mit dem legendären Architekten und Designer Ettore Sottsass (1917 - 2007) zusammen. Als Mitglied der 68er-Bewegung sollte Sottsass’ Design provokativ und sinnlich sein. Sottsass Avantgarde passte gut zu der modernen Ästhetik Bitossis und die Zusammenarbeit resultierte in zahlreichen Sammlerstücken. Außerdem arbeitete Bitossi auch mit anderen Designern wie Piero Fornasetti (1913 - 1988), Karim Rashid, Arik Levy, Fabio Novembre, Benjamin Hubert, Matteo Thun, Monica Förster und Cedric Ragot.

Die Bitossifamilie und die Vittoriano Bitossi Foundation, heute als Institution in italienischem Keramik gesehen, haben mehr als 7.000 historische Dokumente und Materialien in Verbindung ihrer Keramikproduktion angesammelt. Diese Kollektion ist im Bitossi Artistic Industrial Museum untergebracht, das 2011 Mitglied der Italienischen Gesellschaft von Unternehmensarchiven und -museen wurde. 2014 wurde Bitossi Ceramiche außerdem von der nationalen Union der Handelskammern zum offiziellen Mitglied des Registers italienischer historischer Unternehmen ernannt.