Alchimia

Obwohl oft von der ikonoklastischenMemphis Group— die zum Anlaufpunkt für alles Radikale im Design herangewachsen ist - überschattet, hat Alchimia einen großen Beitrag zur postmodernen Bewegung in Italien beigetragen. Die konzeptuellen, künstlerischen und gewagten Designs nährten den Boden für Memphis und beeinflussten Generationen an nachfolgenden Designern. Heute sind die Werke beliebte Sammlerstücke.

Alchimia, gegründet 1976 von Alessandro Mendini und Adriana Guerriero, war eine der ersten designorientierten Hersteller Kollektiven in Italien. Mendini und Guerriero waren zentrale Figuren in den „Anti-Design-Aktivitäten“ (wie z. B. Bauhaus-Design), die Mailand seit den späten Sechzigern erreicht hatten; vor allem Mendini war einer der offensten Theoretiker und Befürworter der Bewegung.

1978 und 1979 brachte Alchimia seine kultigen, in Plastik gekleideten Bau Haus I und Bau Haus II Möbelkollektionen auf den Markt. Das wohl bekannteste Beispiel der Werke Alchimias, der Proust Chair (1978), mischt eine Reihe visueller Sprachen, um die kompromisslose Haltung des Modernismus gegenüber historischen Formen zu kritisieren. Inspiriert von der Liebe des französischen Autors Marcel Proust zum Impressionismus, polsterte Mendini einen schmuckhaften neobarocken Polsterstuhl vollständig in handbemalte Textilien. Der Proust wurde in die Publikation 100 Masterpieces from the Vitra Design Museum Collection aufgenommen und kann in Museumskollektionen auf der ganzen Welt gefunden werden. Weitere weniger berühmte, aber deswegen nicht weniger faszinierende Beispiele der überschwänglichen Herangehensweise an die Neuerfindung klassischer Designs Mendinis sind das Kandissi Sofa (1976) und der Redesigned Thonet Chair (1976).

Im Laufe der Siebziger wuchs Studio Alchimia, als - unter anderen - Ettore Sottsass und Michele de Lucchi hinzustießen. Obwohl ihre Einstellung zum Anti-Modernismus zu großen Teilen übereinstimmten, waren Sottsass und Mendini weit davon entfernt, sich in ihrem Tun einig zu sein. Die beiden begabten und artikulierten Architekten und Designer konnten sich nicht festlegen, ob ihre experimentellen Designs zusammen in großem industriellen Stil produziert werden sollten. Weil sie diese Diskrepanz nicht überwinden konnten - Sottsass wollte hoch hinaus und Mendini war dagegen - gingen die beiden getrennte Wege. Sottsass gründete Memphis 1980, zusammen mit einer Gruppe von Designern, die Mendinis Design-Philosophie als zu restriktiv empfanden.

Bis heute ist Mendini ein Verfechter der großen Rolle, die die Ideen im Design spielen. Seine Objekte sind entschlossen abstrus und gewagt; dazu gemacht, die Leere, die engen Grenzen des Funktionalismus und die repressiven Standards guten Geschmacks herauszufordern.


*Bilder mit freundlicher Genehmigung von Atelier Mendini