Willy Rizzo

Paris / Rome

Der italienische Designer und Fotograf Willy Rizzo (1928-2013) wurde in den 1960ern als Chronist und Teilnehmer in La Dolce Vita bekannt. In der Nachkriegszeit wurde dieser glamouröse Jet Set Lebensstil  von vielen internationalen Promis gefeiert. Zwar war die Fotografie die erste große Liebe Rizzos, dennoch wuchs in den 1970ern seine Leidenschaft für Interieurs und so startete er seine zweite erfolgreiche Karriere als Designer von Luxusmöbeln.  

Rizzo wurde 1928 in Neapel geboren und zog als kleiner Junge mit seiner Familie nach Frankreich. Mit 12 Jahren begeisterte er sich für die Fotografie, woraufhin seine Mutter ihm eine Agfa Box Kamera schenkte. Bald machte er von seinen Klassenkameraden im Pariser Istituto Statale Italiano Leonardo Da Vinci Porträtaufnahmen.

Rizzo startete seine Karriere in den 1940ern als Fotojournalist. Er arbeitet für verschiedene französische Publikationen, darunter Ciné Mondial, Point de Vue und Image du Monde. Rizzo machte nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutende Aufnahmen von den Nürnberger Prozessen. Er reiste zudem für Point de Vue nach Tunesien, um den Konflikt in Nordafrika zu fotografieren. Seine Aufnahmen wurden später im Life Magazine veröffentlicht. Sein Ansehen wuchs und er wurde von France Dimanche angeheuert, um Porträts der Reichen und der Promis auf glamourösen Veranstaltungen, wie dem Cannes Film Festival, zu knipsen. Durch seinen Charm gewann Rizzo schnell das Vertrauen von Königshäusern, Würdenträgern und Filmstars, wodurch ihm ungewöhnliche Momentaufnahmen von bedeutenden Persönlichkeiten gelangen.

Er wollte seine Karriere weiter aufbauen und reiste mit der Black Star Agency 1947 nach New York, um amerikanische Medienstars abzulichten. Als er zwei Jahre später nach Paris zurückkehrte, wurde er eingeladen, der neuesten Farb-Publikation Paris Match von Jean Prouvost als Cheffotograf beizutreten. Zwanzig Jahre war er in dieser Position tätig und beeinflusste eine neue Kultur an Promi-Fotografen, die ebenso beeindruckend und modisch waren wie ihre Modelle.

1959 wurde er der künstlerische Leiter von Marie Claire und arbeitete mit anderen Modemagazinen, wie etwa Vogue, zusammen.

Im Laufe seiner Karriere fotografierte Rizzo dutzende Medienstars, wie Brigitte Bardot, Maria Callas, Salvador Dalí, Marlene Dietrich, Jane Fonda, Gene Kelly und Gregory Peck und freundete sich mit berühmten Persönlichkeiten wie Coco Chanel, Christian Dior und Jack Nicholson an. 1962 hielt Rizzo im Filmformat einige der letzten Momente in Marylin Monroes Leben vor ihrem tragischen Suizid einige Wochen später fest.

1968 heiratete Rizzo die italienische Schauspielerin Elsa Martinelli, mit der er nach Rom zog. Hier startete Rizzo seine Karriere als Möbeldesigner indem er an seiner frisch bezogenen, heruntergekommenen Wohnung arbeitete. Inspiriert von modernistischen Ikonen wie Ludwig Mies van der Rohe oder Le Corbusier, fertigte Rizzo eine Reihe einzigartiger Stücke an, die ursprünglich für den privaten Gebrauch gedacht waren. Als jedoch Rodolfo Parisi, Gigli Rizzi, Franco Rapetti, Salvador Dalí und Brigitte Bardot, um nur ein paar seiner berühmten Freunde zu nennen, seine Arbeiten sahen und bewunderten, wurde er schnell mit Aufträgen überflutet.

Im selben Jahr richtete Rizzo Wohnungen für den italienischen Adel im Palazzo Borghese und im Palazzo Ruspoli ein. Schnell wurde er international als Designer für die Reichen und Schönen gefeiert. Aufgrund der großen Nachfrage startete Rizzo sein eigenes Unternehmen mit Sitz in Tivoli, das zeitgenössischem Möbeldesign gewidmet ist. Die dort hergestellten Möbel werden alle von Hand gefertigt und bestehen aus  luxuriösen Materialien, wie Holz, Marmor, Edelstahl, Messing und Wildschweinleder. Mit der Zeit wuchs sein Team von acht Mitarbeitern auf 150. Dies ermöglichte ihm das Eröffnen von weiteren Läden in Frankreich und ganz Europa, sowie in New York, Miami und Los Angeles.

Rizzo legt den Schwerpunkt auf eine klare Linienführung und geometrischen Formen. Seine Entwürfe vereinen zeitgemäße Formen mit traditionellen Materialien, im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen wie Ettore Sottsass und Vico Magistretti, die in der Möbelproduktion Kunst- und Schaumstoff sowie weitere synthetische Materialien verbreiteten. Zu seinen erfolgreichsten Designs zählen viele niedrige, boxähnliche Tische aus Granit, Metall, Glas oder Wurzelholz, die oftmals mit Elementen aus Messing oder Chrom verziert oder mit eingebauten Barschränken oder Fächern versehen sind. Zwei seiner meist gefeierten Designs sind der Alveo Couchtisch (1970er) für Mario Sabot und der runde Yin Yang Couchtisch (1970er). Seine Plüschsofas und geometrischen Lampen sind auch heute noch beliebte Sammlerstücke.

1978 verkaufte Rizzo sein Unternehmen und wendete sich wieder der Fotografie zu, wobei er das Entwerfen von Möbeln nie ganz aufgab. Bis er im Alter von 84 Jahren 2013 in Paris verstarb, arbeitete er weiterhin an seinen Entwürfen. Seine Frau und zwei Töchter leiten nun sein Pariser Büro und entwerfen neue Stücke aus seinem umfangreichen Portfolio. Seine Möbel wurden in zahlreichen internationalen Museen und Galerien präsentiert, darunter in dem  in New York und in der Opera Gallery in Monako.

*Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Studio Willy Rizzo